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Wir sind Helden: Von hier an blind
Lange, lange hab ich drauf gewartet: auf das neue Album der Helden. Spätestens seit ich „Guten Tag“ zum ersten Mal gehört habe, sind sie meine ganz persönlichen Helden. Irgendwann viel wenig später verdichteten sich die Anzeichen, dass diese Helden der Musik ein neues Album aufnehmen. In die Freude über diese gute Nachricht mischten sich auch Angst und Zweifel, ob dieses zweite Album auch genauso gut wird wie das erste. Geht das überhaupt?
Als ich dann eines Morgens unverhofft bei MTV in das Video zur ersten Singleauskopplung „Gekommen zu bleiben“ war ich überrascht – positiv überrascht. Und beruhigt. Zwar fühlte ich mich um viele Jahrzehnte in die 20er zurückversetzt, aber der Charleston ist auch wirklich wunderschön, einfach zeitlos. „Geht auseinander“ schlägt ungewohnte Töne an, arbeitet mit Soundeffekten. Es ist lauter, fordernder und mutiger als die anderen Lieder, erinnert ein wenig an „Guten Tag“, ist aber wiederum harmonischer und irgendwie auch forscher. Auch Wir sind Helden sind also spürbar gewachsen, größer geworden in dem Bewusstsein ihres Könnens. Das letzte Lied des Albums "Von hier an blind" trägt den bedeutungsvollen Namen „Bist du nicht müde“ und erinnert an „Die Nacht“, den letzten Titel ihres Debütwerks. Es ist genauso traurig-schön und wunderbar melancholisch. Man könnte noch so viel über diesen Titel schreiben. Oder es lassen. Denn es genügen schon wenige Worte: einfach nur schön!
Wir sind Helden schaffen es tatsächlich, sich nicht zu wiederholen, sich nicht selbst zu kopieren: Sie erfinden sich stattdessen neu, sind experimentierfreudig. Im Vergleich zum ersten Album sind viel mehr Gitarren zu hören, mehr Indie-Einfluss. Die Instrumente klingen erwachsener, harmonischer und so verwundert es nicht, dass der Hörer oft auch in den Genuss von Instrumental-Solis kommt. Die Lieder selbst sind in ihren Verläufen abwechslungsreicher, bieten fließende Wechsel zwischen verschiedenen Stimmungen: mal melancholisch-leiser, dann wieder laut-fordernd und upbeat. Die Texte sind intelligent und verspielt, bieten verschiedenste Ansätze zu Interpretationen, können aber auch gut nebenher laufen. Deutlich spürbar ist auch, dass Judith Holofernes nicht mehr die einzige Texterin ist, sondern dass auch die drei Männer zu diesem Prozess beigetragen haben. Insgesamt bilden Melodien und Texte eine traumwandlerisch-sichere Musikeinheit mit dem Gespür für Schönheit.
Fazit:
Scheinbar mühelos haben die vier Helden es geschafft, sich selbst zu übertreffen. Ob das zweite Album besser ist als das erste? Sicher bin ich mir nicht. Aber ich weiß, dass es mindestens genauso gut ist. Nur eben anders – anders schön!
Elisa Jannasch |