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Spillsbury erzählen

 

Tobias und Zoe sind zusammen besser als Spillsbury bekannt. Das Berliner Duo ist eine junge Band, die auf deutsch singen, nicht gecastet sind, ihre Musik selbst schreiben – und dabei auch wirklich etwas zu sagen haben. Schön, dass es so etwas noch gibt!

Tobias erzählt, wie es überhaupt zu Spillsbury kam, redet über Trends der Musikszene und sinniert, ob Kategorisierungen Fluch oder Segen sind.

 

Wie habt ihr euch zusammengefunden?

Das begann alles mit einer Punk-Band, die ich damals mit drei von meinen Freunden gegründet hatte. Und das war so vor ungefähr vier Jahren. Da haben wir eine Sängerin gesucht, weil wir auf eben jeden Fall eine Sängerin dabei haben wollten. So haben wir dann in einer bekannten Stadtzeitschrift eine Annonce aufgegeben: „Punkband sucht Sängerin.“ Daraufhin hat sich Zoe gemeldet. Als Erste wohlgemerkt, nicht als Einzige. Aber Zoe hat bei uns quasi vorgesungen und das war ganz hervorragend, da brauchten die anderen auch gar nicht mehr zu kommen. Und dann haben wir erst mal zusammen als One: Thirty ein bisschen Musik gemacht und irgendwann ist daraus das Duo Spillsbury entstanden. Weil wir nach überstandener Bandprobe mit One: Thirty dann noch zu mir nach Hause sind und am Rechner da noch ein bisschen Musik weitergemacht haben, so für uns erst mal nur.

Wen oder was wollt ihr mit eurer Musik erreichen?

Grundsätzlich ist das schwer zu sagen. Wir sind da jetzt nicht mit dem Plan rangegangen, die oder die Zielgruppe müssen wir erreichen. Wir sind ja nicht mal mit dem Plan rangegangen, überhaupt ’ne Band zu gründen. Das hat sich einfach so ergeben. 

Man sieht das ja auch bei unseren Konzerten: Das ist ein ziemlich gemischtes Publikum. Und das macht natürlich schon Spaß. Wir haben jetzt letztens ein paar Auftritte mit den Fehlfarben zusammen gemacht und da war auch ein älteres Publikum. Hat uns aber gut gefallen, hat super viel Spaß gemacht.

 

Wisst ihr, dass fast jede Rezension euch in einem Atemzug mit Hedonismus nennt bzw. euch, die Band, die Musik als hedonistisch beschreibt? Was verbindet ihr selbst mit diesem Begriff? Könnt ihr dieser Einordnung zustimmen? Inwiefern?

Das ist in unserer ersten Besprechung aufgetaucht und seitdem schreibt immer nur einer vom anderen ab und so wurde das dann herumgereicht. Keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil das die erste schriftliche Publikation über uns war.

Es ist schwer, selbst dazu was zu sagen. Denn solche Definitionen, Begrifflichkeiten engen ja doch mehr ein, in irgendwelche Schubladen. Und es gibt ja immer Ausnahmen davon. Das wiederum macht es schwierig, einen Begriff zu definieren und auch zu verändern. Deshalb wollen wir den Begriff „Hedonismus“ für uns auch nicht so vereinnahmen. Ich denk mal, für uns bedeutet es, dass wir als Band uns nicht abbringen lassen wollen von anderen, sondern dass wir die Musik und unser Leben mit der Musik schon klar kriegen werden. Es muss einfach aus uns heraus kommen. Und dass wir es halt sind, die diese Musik machen. Und ich denk mal, dadurch ist das halt entstanden. Klar, das ist nicht der klassische Begriff Hedonismus.

 

Ihr werdet sehr in Kategorien gehandelt. Nur verglichen. „Die Antwort aus Hamburg auf die Berliner Band Mia“ beispielsweise. Oder „Zoe erinnert an Debbie Harry von Blondie“. Nervt euch dieses Schubladen-Denken nicht manchmal?

Nö, man ist das nun mal gewohnt. Seit ich Musikzeitschriften lese, sehe ich, dass sich jeder immer nur an Vergleichen lang hangelt, anstatt mal mutig zu sein und nach eigener Vorschrift zu schreiben, das ist so und so und nicht anders. Und es ist, glaub ich, auch einfacher zu schreiben und zu lesen, wenn man Vergleiche hat. Ob sie zutreffen oder nicht, oder schön sind für die Künstler, über die geschrieben wird.

 

Also ist da den Journalisten ein Vorwurf zu machen?

Ja, was heißt Vorwurf… Das hat sich einfach so eingebürgert und wahrscheinlich wollen die Leute das so auch. Damit sie sich ein Bild machen können.

 

Seid ihr damit auch auf die Vergleiche darauf angewiesen?

Nö, find ich nicht. Weil, ich denke, dass unsere Musik, aber auch ganz allgemein Musik, immer für sich steht. Automatisch. Wenn sie von Künstlern selbst geschrieben und selbst auf Tonträger oder auf die Bühne gebracht wird, dann steht sie damit für sich. Ob man sie dann unbedingt vergleichen kann… Man kommt doch immer nur auf ein, zwei, drei Eckpunkte. Wie das halt bei uns ist und Mia und Wir sind Helden: dass da auch ein Mädchen singt. Und auf Deutsch auch noch. Und wenn das schon erfüllt ist und es diese Übereinstimmungen gibt, dann reicht das halt, um die ganze Musik zu kategorisieren in der Meinung von vielen Leuten. Und soll man sich darüber noch aufregen? Ich denke nicht.

 

Das 80er-Revival, die Wiederbelebung der deutschen Musikszene im Allgemeinen und der deutschsprachigen im Besonderen – hat euch diese Bewegung genutzt?

Als wir angefangen haben, die Stücke bei mir zu Hause „heimlich“ zu machen, da hatten wir eigentlich überhaupt nicht im Kopf, dass da jetzt gerade so ein 80er-Revival kam. Und als wir dann nach ein paar Monaten die Sachen mal ein paar Leuten vorgespielt haben, kamen da so Sätze wie: „Das hört sich schon ein bisschen NDW-mäßig an“ oder „Das könnten ja die 80er sein“. Eine Woche oder so, bevor unsere LP raus kam, erschien die Mia-Single, da hab ich das erst realisiert: Oh ja, das ist ja tatsächlich in dieser Welle mit drin. Und so ist das eigentlich entstanden. Im Grunde war’s Zufall. Was man natürlich nicht vergessen darf dabei, dass, zurück gerechnet vom Veröffentlichungsdatum her, vorher ein Jahr Arbeit drin steckt. Und von daher ist es natürlich wirklich ein Zufall gewesen, jedenfalls zu dem Zeitpunkt. Was jetzt im Moment noch alles kommt, weiß ich nicht. Das ist sicherlich dann nicht mehr so zufällig.

 

Ihr ähnelt Mia von der Musik her schon sehr. Warum haben es Mia – eurer Meinung nach - in die Charts geschafft im Gegensatz zu euch?

Das ist jetzt schwer zu sagen, ohne bei dem alten Geld-Argument dann anzukommen. Je mehr Promotion, je mehr Werbung gemacht wird, desto besser verkauft sich das Album auch. Ich will jetzt auch nicht schlecht über andere Bands reden, und das mach ich auch nicht, und daher kann ich da gar nichts mehr dazu sagen.

Nee, es ist ganz einfach so, dass, wenn man die Aufwände gesehen hat, die so dahinter stecken, dann sind das natürlich andere Dimensionen zum Teil. Dann ist das ja auch ganz klar. Und wahrscheinlich ist es auch wieder Glück, was davon jetzt erfolgreich wird oder nicht.

 

Wenn ich euch jetzt grad im Studio erwische, heißt das, eure Fangemeinde darf sich auf ein neues Album freuen?

Fast, ja. Tun wir auch, aber nicht im Studio. Wir basteln hier grad an ’ner neuen Single, die irgendwann raus kommen wird, am 05. 07. nämlich. Und die nehmen wir hier grad noch mal auf. Der Song ist ja auf dem Album schon drauf. Und wir mischen den jetzt neu ab und wir haben noch ’ne neue Stimme drunter gelegt, alles ein bisschen schöner gemacht. Und drei schöne Remixe sind drauf. Einfach mal überraschen lassen!

 

Wird sich der Stil musikalisch weiterentwickeln, umorientieren?

Nein! Niemals! [lacht] Klar wird er. Ich weiß zwar jetzt noch nicht genau, wie, aber bestimmt. So wie wir uns am Anfang schon nicht vorgenommen haben, etwas Bestimmtes zu machen, so machen wir das jetzt auch nicht. Man muss sehen, was dabei heraus kommt. An den Sachen, die wir jetzt schon neu haben, merkt man schon, dass sich das ein Stückchen weiterentwickelt hat. Aber so ganz genau, wo das alles hingeht, das wird sich dann noch zeigen.

 

Wie sieht eigentlich bei euch der Prozess des Songschreibens aus?

Immer anders. Wir haben ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Zum Teil machen wir da zusammen Songs und Texte oder jeder für sich und wir fügen sie danach zusammen. Da gibt es kein festes Prozedere oder so. Manchmal gibt’s nur einen Text und keine Musik dazu oder anders rum. Aber im Grunde immer das Drumherum, weil wir das schön zu Hause machen können.

 

Was sind allgemein eure Pläne für die Zukunft?

Das nächste Jahr ist fertig geplant, würd ich mal sagen. Mit Album und Konzerten. Ja, und was danach kommt? Ich denk mal, danach geht es wieder von vorne los. Neues Album, neue Konzerte. Hilft ja nix, man muss ja weiter. Die Songs sind ja da, die müssen dann irgendwie gemacht werden. Die müssen ja dann auch noch raus, aufgeschrieben und gesungen werden.

 

Was wünscht ihr euch für die Musikszene?

Eine ganze Menge. Ich weiß gar nicht so konkret.

Also ich denk mal, die Entwicklung, die ja im Moment auch läuft, die Rückbesinnung auf Indie-Qualitäten ist ganz gut und schön. Ich bin mal gespannt, wie sich das jetzt so in den nächsten ein, zwei Jahren entwickeln wird. Von daher, weil alles grad so ein bisschen im Wandel ist, weiß ich grad nicht, was sich noch Gutes oder Schlechtes daraus ergibt. Was ich mir noch wünschen würde, ist, dass sich der Indie-Bereich mehr auf seinen Indie-Status beruft und nicht auch versucht, Popstars großzuziehen.

 

Und was ist nun der Indie-Status genau für dich?

 Alles, was noch etwas Gutes herausbringt, ohne großen Mutterkonzern. Überall da, wo noch irgendwelche Labels das machen können, was sie wollen. Zumal man ja gesehen hat, dass die Sache ganz schön geplatzt ist irgendwie, mit der Kommerzialisierung des Indie. Und von daher sollte man doch lieber zurückfinden, was man kann. Nämlich: gute Musik herausbringen. Und  zwar en masse, und nicht nur das, was Erfolg versprechend ist.

 

Ein sehr schönes Schlusswort!

Vielen Dank für das Interview.

Elisa Jannasch