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Space Kelly: 3 Ecken 1 Elfer – und ein Volltreffer

Darf ich vorstellen? Meine neue Liebe! Sie ist zwar noch ganz frisch, aber ich bin mir sicher, die hier wird bestimmt ewig halten. Der Name? Space Kelly. Und wie wir uns kennengelernt haben?

Nach einem langen Mischmaschtag aus Arbeit, Uni, wieder Arbeit, Bibliothek und Papierstau verursachenden Kopierern wollte ich zu Hause nur noch eins: abschalten! Am besten im Gespräch mit einer Freundin. „Kennst du eigentlich Space Kelly?“ Nein, kennst du das Gefühl blöder Tage? Aber sie ließ nicht locker, bis ich hoch und heilig versprach, in das Album rein zu hören. „Die machen sehr niedliche Popmusik mit deutschen Texten“ gab sie mir noch auf den Weg zum Plattenhändler meines Vertrauens mit. Der Rest ist bekanntlich Geschichte: Ich hörte, lachte und liebte.

Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Space Kellys mittlerweile   schon drittes Album „3 Ecken 1 Elfer“ nur zur Rettung meines doofen Tages zusammengestellt wurde. Es vertreibt dunkle Wolken, weckt die Lebensgeister und verbreitet den Wunsch, auf einer Sommerwiese Seifenblasen in den blauen Himmel zu pusten. Das alles bewirkt der Zauber leichter Popmusik: beschwingte Beats, ein wenig Oldschool und Sixties-Sound, dafür aber umso liebenswerter. Keine aufwendigen Effekte, sondern nur Klänge von Gitarren, Schlagzeug und Keyboard. Was braucht man mehr? Nun ja – die Texte!

Space Kelly, aus der Hamburger Schule stammend, ist Fußballfan, wie der Titel unschwer erkennen lässt. Und dass sein Herz leider nicht für mich schlägt, verrät die Ode „Der HSV ist wieder da!“. Dieses Stück beginnt mit einem sexy dahergehauchten „Yeah“ und swingenden, leicht jazzigen Beats. Chillig der Klang, überzeugt und bestimmt dagegen der Inhalt. „Ja, so ist unser Verein, der muss aus Hamburg sein.“ Über Fußball lässt sich bekanntlich genausowenig wie über Geschmack streiten, weshalb sich Space Kelly auf dem restlichen Album denn auch auf weniger kontroverse Themen einlässt.

Der erste Track besingt die Überflüssigkeit des Beziehungskillers Fernsehen und fordert zu Enthaltsamkeit von der Mattscheibe auf. Kein Problem, bei so guter musikalischer Alternative. Der Rest dreht sich – wie könnte es auch anders sein – um die Liebe. Und da hat der gute Mann sehr gesunde Einstellungen. Wenn die Beziehung scheitert, liegt es daran, dass er sowieso viel zu nett und gut für sie war. Und über Verflossenes denkt er, es ist nicht das Ende der Welt - „Ob es mir nun gut gefällt.“ Tröstlich zu wissen, dass er trotz allem wieder Liebeslieder schreiben wird. Denn das kann er auf wunderschöne, das Herz rührende Weise. Er ist ein Wortkünstler, der durch klare und dabei naiv-witzige Aussagen besticht. Seine Konsequenzen sind so logisch: „Es ist ein schöner Tag, dich heute zu besuchen. Du sagtest dann zu mir, Kind, bleib zu Hause. Das Leben ist kein Heimspiel, das ist inzwischen bekannt. Doch ich wusste nicht, dass du auf Frauen stehst, so gut hab ich dich nicht gekannt. Und so sagte ich zu mir, Kind, bleib zu Hause.“

Tracks wie „Schnee“ beispielsweise klingen dagegen fast schon zu elegisch. Auch wenn der Text sehr einfühlsam und berührend ist, überzeugen die zu langsame Melodie und Space Kellys zu klagende und zu hohe, sich fast schon überschlagende Stimme nicht ganz. Hier drängt sich der Gedanke auf, Junge, bleib doch bei lustiger Popmusik und mach uns alle glücklich!

Doch es geht auch anders: traurige Texte zu energetischen Beats, unterlegt mit fröhlichen „Schalala“-Trällern. „Es ist ok“ zählt ebenfalls mit zu den traurigeren Liedern der Scheibe und erzählt vom Ende einer Beziehung. Nicht heiter oder ironisch, sondern vielmehr motiverend und abschließend: „Es ist ok, es ist ok, es tut vielleicht noch eine Weile weh, doch es muss weitergeh’n – auch ohne dich.“ Und das macht auch die Grundstimmung Space Kellys aus: Nichts ist endgültig oder negativ, kein Pessimismus weit und breit. Sentimentalität und Trauer um Vergangenes, die Gegenwart und Zukunft zählen mehr. Eine schöne Botschaft, die man sich viel öfter viel mehr zu Herzen nehmen sollte.

Dadurch hilft die CD in schweren, traurigen oder einfach nur verqueren Zeiten beim Nach-vorne-Schauen und bessert ohnehin schon gute Stimmung noch mehr auf. Was am Ende der CD bleibt, ist ein Lächeln auf dem Gesicht. Die Songs verfügen über eine so große Portion Charme und versetzen den Hörer in genau die richtige Stimmung: zwischen Nachdenklichkeit, ein bisschen Melancholie, was dann schlussendlich in gute Laune umkippt und in guter Stimmung den Hörer mitreißt.

So ist auch das Nena-Cover von „Kleine Taschenlampe brenn“ fast zu verzeihen. Aber nur fast, denn eigentlich hätte es Space Kelly nicht nötig, auf der Nena-NDW-Retro-Wellen mitzuschwimmen.

3 Ecken 1 Elfer – ein Album, das mit Ehrlichkeit und teilweise ergreifender Schlichtheit verzaubert. Space Kelly – ein Volltreffer ins Herz!

Und jetzt bleibt nur noch übrig, der Langeweile und Traurigkeit zu sagen „Es ist Schluss, aus und vorbei!“

 Elisa Jannasch