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Neuser: Chamaeleon

Eine schlichte schwarze CD, ein ruhiges Cover. Und das soll ein farbenprächtiges Chamäleon sein? Oder hat sich Neuser einfach nur für den verregneten Frühsommer getarnt? Denn tatsächlich scheint "Chamaeleon" beim ersten Hören durch seine ruhige Art und die besonnenen Texte eher in den Herbst zu passen. Doch eben nur beim ersten Hören.

Mal rockig, mal melancholisch, deutsch und ein klitzekleinbisschen Englisch, aber immer unglaublich melodisch - so kommt das Chamäleon Neuser daher. Bei den ersten drei Songs mag man noch versucht sein, die Musik als hübsch, aber eher unaufgeregt zu beschreiben. Durchdacht, gut getextet. Spätestens Track 4, "nicht zu stoppen", räumt jedoch mit diesem Denken auf. Plötzlich wird Neuser tanzbar. Nicht lauter, aber mehr und schnellere Beats, ein subtiler Wechsel, der Spaß und gute Laune macht. "wir sind nicht zu toppen"  - na gut, ich hör trotzdem erst mal weiter.

Lohnt sich auch. Track 6, "Kein Schritt zurück", überrascht plötzlich mit orientalischen Sequenzen, die an Bollywood erinnern. Dann gibt es Track 9, in dem Neuser hofft: "Es könnte Sommer sein, wie es früher war" - ein Song, der das ganze Album zusammenzufassen vermag. Weder eine Frühlings- noch eine Herbst-CD, sondern ganz einfach Musik für den Sommer - vielleicht mit ein bisschen Sommerregen.

Neuser ist "angekommen, um weiter zu gehen". Und er wird weitergehen, denn auch ohne seine Biographie zu kennen, hört man seinem Album den Vollblutmusiker an, der sein Herz in diese Songs gelegt hat. Und noch genügend Energien und Ideen für etliche mehr hat.

Neuser, genauer gesagt: Henning Neuser ist dabei längst kein Neuling in der Musikszene, denn schon vor der Veröffentlichung seines ersten Solo-Albums war er aktiv und wohlwollend beachtet. So hat er seine Erfahrung gesammelt und hat endlich sein Ziel erreicht: "Wir wollten immer anders sein".

Fazit:

Ganz so wandelbar, wie der Albumtitel vermuten lässt, präsentiert sich Neuser auf seinem Debütalbum dann doch nicht. Dennoch ist ihm ein wunderbares Album gelungen, das seinen eigenen Stil zementiert und gleichzeitig die Hoffnung für den deutschen Musikmarkt aufrecht erhält. Vielseitig, aber ohne radikale Umbrüche.

 

Neuser: Herzblindherzsturm

 

Reicht schon. Die Musik brauch ich nicht. Ich glaube auch so direkt, dass es phantastisch ist. Das kann bei so einem Titel für die erste Single auch gar nicht anders sein, "Herzblindherzsturm" ist eine der schönsten Wortkreationen, die mir in der letzten Zeit begegnet sind.

Na gut, die Musik hör ich mir trotzdem an.

Hat sich gelohnt! Denn Neuser kann nicht nur gut mit Worten spielen, sondern tatsächlich auch singen. Und Instrumente spielen. Langsam, beinahe monoton ist der Einstieg, nur um mit jeder Minute Kraft zu gewinnen. In Ausschnitten erinnert der Song und Neusers Stimme/Tonlage an Anajos "Streuner", hebt sich aber gleichzeitig durch seinen gesetzteren Rhythmus und tatsächlichen Gesang wieder davon ab. (dennoch bin ich den Anajo-Ohrwurm nicht gleich wieder los geworden) Und dafür bin ich Neuser dankbar: Endlich mal wieder jemand, der tatsächlich singt - und nicht nur Sprechgesang mehr oder weniger originell von sich gibt.

"Mit dem Kopf durch die Wand, mit dem Rücken zu selben"

 

Fazit:

Und überhaupt. Hoffentlich kann das Album da noch mithalten, denn die erste Single hat hohe Maßstäbe gelegt.

 

Elisa Jannasch


Neuser live on tour:

29.06.10 Unna // Lindenbrauerei
20.09.10 München // Cafe Camera im Hotel Achterbahn
22.09.10 München // Cafe Camera im Hotel Achterbahn
23.10.10 Paderborn // Cube

 

Mehr Informationen unter:

Website: http://de.wikipedia.org/wiki/Neuser 

Myspace: www.myspace.com/neuser

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