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Furia – ganz handzahm im Interview

 

Es war einmal ein klitzekleines Städtchen namens Os, das aufmerksame Beobachter ganz in der Nähe von Bergen in Norwegen entdecken können. Dieses klitzekleine Städtchen nun ist von viel Nähe und Harmonie geprägt – vielleicht auch, weil für viel mehr gar kein Platz vorhanden ist.

Furia: „Os ist nur ein kleiner Ort und es gibt nur eine einzige Schule da. Jeder kennt jeden.”

Und so steht lebenslangen Freundschaften nichts im Weg. Auf diese wundervolle Weise kam auch der Bund zwischen den Schwestern Stine und Kirsti und ihren Freundinnen Solvor, Maya und Agathe zustande. Obwohl Os nicht gerade zu den Orten des Geschehens gezählt werden kann, verbinden die fünf Norwegerinnen mit Altersgenossen überall auf der Welt ihre Liebe zur Musik und ihr Interesse daran. Was liegt da nicht näher, als selbst eine Band zu gründen, dachten sich die Mädels.

         Furia: Wir alle hatten großes Interesse an Musik. Wir kommen zwar aus einem kleinen Ort, aber trotzdem gibt es unzählige Bands da. Die Leute bei uns stehen alle total auf Musik und sie machen auch selbst großartige Musik. Sie haben uns inspiriert. Aber es ist auch eine gute Möglichkeit, in einer nicht so einschüchternden Atmosphäre mit einer Band anfangen zu können, also für Freunde und Familie spielen. Wir hatten so viele Auftritte, auch in den umliegenden Städten, und alle, die wir kannten, kamen mit. Es hat einfach nur Spaß gemacht.

MyCulture: Konntet ihr alle vorher schon Instrumente spielen oder habt ihr die ausgelost?

Furia: Keine von uns konnte ein Instrument spielen. Stine konnte ein bisschen singen und Solvor hatte zu Hause eine Gitarre rum stehen. Aber das war auch schon alles.

Agathe: Und der Rest lief folgendermaßen ab: Ich war auf Toilette, und als ich wiederkam, meinten die Mädels: Du spielst Schlagzeug. Ich dann: Nee, ich spiel kein Schlagzeug. Ich kann kein Schlagzeug. Die anderen wieder: Doch, wir haben entschieden, du bist unserer Schlagzeugerin. Es ist auch nichts anderes mehr übrig. Also hab ich dann mit Schlagzeug angefangen.

 

So weit die märchenhafte Vorgeschichte von Furia. Zwar scheint ihr Erfolg einer anderen Welt zu entstammen, doch wurden sie damit keineswegs über Nacht durch Feenzauber bedacht. Und das Hans-im-Glück-Phänomen kennen sie auch gar nicht.

Furia: Unsere Karriere war auf jeden Fall harte Arbeit. Wir sind fünf oder sechs Jahre lang durch Norwegen getourt, bevor wir unser erstes Album, „… and then we married the world“, veröffentlicht haben. Wir haben in fast jeder Stadt Norwegens gespielt- wir hatten in einem halben Jahr ungefähr 70 Auftritte. Und auf diese Weise kannten uns die Leute schon und das Album hat sich fantastisch verkauft.

MyCulture: Waren die Verkaufszahlen, der Erfolg euer Hauptziel bei der Gründung der Band?

Furia: Unser Hauptziel war es zunächst einmal, überhaupt einen Song fehlerfrei durchspielen zu können. Schließlich konnten wir zu Beginn überhaupt nicht spielen, absolut gar nicht. Und dann wollten wir auch ja auch Spaß haben. Es ist wichtig, kleinere Ziele auf seinem Weg zu haben, nicht nur große. Wir wollten Musik spielen und wir wollten gut klingen.

 

Freundschaft, Harmonie, Spaß – ein bisschen zu viel Idealismus und heile Welt? Schließlich verheißt der Bandname etwas ganz anderes, lässt auf Temperament, Charakterstärke und unbändige Power schließen. Geht es nicht – gerade bei einer reinen Mädchen-Band – auch mal „Furien“-haft zu?

Furia: Wir kennen uns schon so lange, das ist ein großer Vorteil. Wir kennen unsere Grenzen, wissen genau, wie weit wir gehen können und wie weit wir uns gegenseitig antreiben können.

MyCulture: Also geht es euch auch um Demonstration der Frauen-Power?

Furia: Definitiv nicht! Nee, absolut nicht. Wir wollen einfach nur Musik machen! Unsere Konstellation hat sich zufällig ergeben. Wir hatten aber mal einen männlichen Keyboarder.

MyCulture: Und wie hat es ihm bei euch gefallen?

Furia: Was glaubst du?! Er hat sich großartig gefühlt! Überleg doch mal: als einziger Junge unter fünf Mädels… Er wurde viel in den Arm genommen und geknuddelt. Alles überhaupt kein Problem.

 

Melodisch, melancholisch, bitter-süß, kraftvoll, ins Ohr gehend und ehrlich“ – so werden Furias Songs auf ihrer Homepage beschrieben. Viele wohlklingende Adjektive, ziemlich hoch gegriffen. Doch nicht bei dieser Band. Sie füllt mit ihrer Kraft. Stimm- und Soundgewalt scheinbar mühelos jeden Raum. Den Spaß am Spielen sieht man ihr nicht nur an, er wirkt sich auch auf die Qualität der Songs aus.

Furia: Als wir angefangen haben, konnten wir keine Instrumente spielen. Wir haben uns langsam an die Musik heran getastet. Im Prinzip haben wir uns ja alles selbst beigebracht. Darum haben wir auch unseren einzigartigen Klang – unseren Klang eben! Den haben wir im Laufe der Jahre aufgebaut. So klingen wir heute und sind da auch sehr stolz drauf. Wir schreiben über alltägliche Dinge, zu denen die Leute auch einen eigenen Bezug finden. Schließlich wollen wir unser Publikum auch wirklich erreichen.

MyCulture: Also ist der Sound euer Erfolgsgeheimnis?

Furia: Nicht nur. Wir haben die Band 1995 gegründet und spielen jetzt schon seit neun Jahren zusammen. Wir sind getourt, getourt und noch mehr getourt. Und wir mussten lernen zu spielen. Wir wollten Material für unsere Songs und das Album sammeln, damit es wirklich gut wird. Wir wollten es nicht bereuen müssen. Und das ist auch die alte Rock’n’Roll-Art, als Band erfolgreich zu sein. So sollte es zumindest funktionieren. Als das Album dann endlich herauskam, waren wir zufrieden damit. Und durch die vielen Touren haben die Leute auch sehnsüchtig darauf gewartet, sie wollten diese CD unbedingt haben.

MyCulture: Apropos, die Tour. 70 Auftritte in einem Jahr ist ja unglaublich viel. Wie habt ihr das geschafft?

Furia: Wir haben jede Nacht gespielt. Norwegen ist ein relativ kleines Land, durch das wir die ganze Zeit gefahren sind, kreuz und quer. Und wir hatten zu der Zeit viel Spaß dabei, aber nach der Tour waren wir einfach nur noch müde und erschöpft. Im Nachhinein denkt man sich selbst, wie konnte ich das nur durchstehen, ich muss mich ausruhen. Aber solange du auf Tour bist, kommen solche Gedanken gar nicht erst auf. Man macht einfach immer weiter. Man gewöhnt sich daran.

MyCulture: Inwiefern hat euch der Erfolg verändert, oder euer Leben?

Furia: Keine Ahnung. Durch die jahrelange harte Arbeit hatten wir Zeit, uns Stück für Stück daran zu gewöhnen. Wir sind in unserer Heimat zwar sehr erfolgreich, aber dafür läuft das da auch ein bisschen anders. Norwegen ist ein kleines Land, da gibt es keine kreischenden Fans. Wahrscheinlich hat sich aber auch einfach gar nicht so viel geändert.

MyCulture: Ist die Musik euer einziges Standbein, oder habt ihr noch „richtige“ Berufe erlernt?

Furia: Nein, wir haben uns nur auf die Musik konzentriert. Nur Musik.

MyCulture: Hoch gepokert.

Furia: Das muss man, man muss Risiken eingehen. Wenn du etwas erreichen willst, musst du das Risiko in Kauf nehmen.

 

Bei so viel Mut und Entschlossenheit ist es kein Wunder, dass Furia auch das deutsche Publikum bei ihrer Premiere anlässlich des 1Live Königstreffens in Herzogenrath begeisterten. Die fünf attraktiven Norwegerinnen zeigten keine Scheu vor rockigen Melodien und lautem Gesang. Und weder sie noch das Publikum ließen es sich anmerken, dass es ihr erster Auftritt in Deutschland war.

Furia: Es war großartig, einfach unglaublich! Das Publikum war toll, große Klasse! Es ist so cool, dass die Leute unsere Songs kennen. Sie haben alle mitgesungen und wir waren begeistert, haben uns aber gefragt: Woher können die das? Normalerweise kennt keiner unsere Lieder.

Und damit auch wirklich alle in Europa bald mitsingen können, sind Furia – natürlich! – schon wieder fleißig auf Tour.

Furia: Wir spielen auf einigen Festivals in den Niederlanden. Vielleicht schließen wir daran eine Tour an. Auf jeden Fall wollen wir noch mal zurück nach Deutschland und hier spielen! Wir hoffen, dass wir in Europa genau solchen Erfolg wie in Norwegen haben werden. Wir haben schon ein paar Shows in England gespielt und die Leute mochten uns sehr. Aber es ist ein harter Markt dort. So viele Bands – und sie sind alle verdammt gut. Außerdem sind wir wieder im Studio und nehmen unser zweites Album auf.

MyCulture: Wird es irgendwelche Überraschungen oder grundlegenden Veränderungen geben?

Furia: Nicht wirklich. Wir wollen natürlich, dass sich unser Sound weiter entwickelt. Das ist das Ziel einer jeden Band. Aber trotzdem besteht keine Notwendigkeit, unseren Stil komplett zu ändern. Wir wollen einfach nur unsere Musik machen. Und wir wollen einfach nur besser werden!

 

 

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß und Erfolg!

 

Mehr Infos über Furia findet ihr unter:

http://www.furia.no/files/english.htm

 

Zur CD-Kritik: And then we married the world...

 

Elisa Jannasch