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Stadt der Blinden
Director: Fernando Meirelles Hauptdarsteller: Julianne Moore, Mark Ruffalo, Danny Glover, Gael García Bernal Wie sähe unsere Welt aus, wenn Blindheit eine ansteckende Krankheit wäre, gegen die es kein Heilmittel gibt? Regisseur Fernando Meirelles spielt in seinem neuem Film mit dem beängstigenden Gedanken: Er lässt eine ganze Nation durch eine Blindheit-Epidemie ins Chaos versinken.
Alles beginnt
alltäglich und harmlos – ein Mann stellt plötzlich an einer roten Ampel fest, dass
er nicht sehen kann. Aufgrund seines eleganten Anzugs und seines teuren Autos vermutet der Zuschauer
ebenso wie die Passanten im Film: Es sind seine Nerven, bestimmt zuviel Stress
in der Arbeit gehabt. Zu diesem Zeitpunkt
ist der Augenarzt zusammen mit Patient Null (dem ersten Erkrankten) und anderen
Blinden längst in Quarantäne untergebracht. Als Quarantäne dient jedoch kein
hochmodernes Labor, sondern ein altes, verrottetes Gebäude. Bald wird es zur
Unterkunft für mehr Menschen, als es jemals fassen könnte. Anarchie bricht aus,
als eine Gruppe der neuen Insassen alle Essensrationen für sich beschlagnahmt.
Die anderen müssen zahlen, wollen sie essen. Da Geld seinen Wert verloren hat,
müssen sich die weiblichen Blinden für eine Scheibe Brot prostituieren. Rasch wird klar, dass die Frau als Einzige gegen die Seuche immun ist - der Zuschauer blickt bisweilen durch ihre Augen und aus ihrer Perspektive auf den Horror um sie herum. Das liegt nicht nur an der guten Kameraführung, sondern auch an der Verfremdung der Farben, die der Regisseur vornimmt. Dadurch wird der Zuschauer gezwungen, in einen einschüchternden Alltag einzutauchen. Auf der Suche nach Normalität gerät er an Hunde, die tote Menschen fressen und Soldaten, die ihre blinden Mitmenschen reihenweise töten.
Fazit: Vorlage für den Film
ist das Buch des Nobelpreisträgers José Saramago. Die Frage, ob der Film dem
Werk gerecht wird, ist jedoch fehl am Platz. Allen, die eher für das
audio-visuelle Medium empfänglich sind, garantiert “Die Stadt der Blinden” einen
aufwühlenden Kinoabend. Der Film hat Makel, soviel steht fest. Aber er
konfrontiert seine Zuschauer mit allen Facetten der menschlichen Natur. Das
können nicht viele Hollywood-Filme von sich behaupten. Anna Gielas Kino-Premiere: 23. Oktober 2008
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