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Pushing Daisies (Season I)
Hauptdarsteller: Lee Pace, Anna Friel, Chi McBride
Pushing Daisies ist überwältigend – in jeder Hinsicht. Bunt, zuckersüß, romantisch, komisch, traurig, laut, leise. Meistens fragt man sich, ob vor all diese Adjektive nicht noch ein „zu“ gehört. Aber dann auch wieder nicht. Denn es ist einfach nur schön, durch ein Zuckerwattemärchen zu spazieren. Nur mal so, weil es eben so hübsch ist.
Da wäre Ned (wunderbar verwirrt-zerrissen: Lee
Pace) – der Inbegriff des perfekten Mannes: ein Konditor, der einfühlsam und
träumerisch ist, stets freundlich und auf Gerechtigkeit bedacht, ein wenig
melancholisch und natürlich attraktiv. Und als wäre das nicht schon genug, ist
Ned auch noch mit einer besonderen Gabe gesegnet: Er kann Tote zum Leben
wiedererwecken. – und hiermit wären wir dann auch bei dem Fluch angelangt, denn
so viel Gutes kann schließlich nicht in einem einzigen Menschen versammelt sein.
Die Toten dürfen nicht länger als eine Minute wieder unter den Lebenden weilen,
sonst muss unweigerlich ein beliebiges anderes Lebewesen das Zeitliche segnen.
Ned und Geschäftspartner, Privatdetektiv und zynischer Freund Emerson Cod (Chi McBride) nutzen Neds Talent, um Ermordete nach ihrer Todesursache und dem Verursacher zu befragen. Innerhalb einer Minute, versteht sich. So können sie neben der Bäckerei zusätzliches Geld verdienen, denn die Belohnungen auf Morde sind nicht zu vernachlässigen. Komplettiert wird Neds Leben durch seinen treuen Hund Digby (Opfer eines Truck-Unfalls, wieder zum Leben erweckt, unsterblich – darf aber nie wieder von Ned berührt werden) und Olive Snook, früherer Jockey und heutige Angestellte des Pie Holes und unsterblich in Ned verliebt. Letzteres beruht nicht unbedingt auf Erwiderung.
Auch wenn Neds Kindheit eher traurig war (Mutter starb, wurde von Ned zum Leben erweckt und in Unwissenheit über sein „Talent“ wieder ermordet; tötete zu Gunsten seiner Mutter den Vater seiner Jugendliebe und Mädchen von nebenan, Chuck; verbrachte vergessen von seinem Vater seine Jugend ohne Freunde im Internat), so hat er sich in seinem Erwachsenenleben nett eingerichtet. Nett, langweilig, statisch. Immerhin tötet er nicht mehr unkontrolliert, denn seine Gabe hat er in minutiösen Versuchen gelernt zu beherrschen.
Bis – ja, bis Chuck wieder in sein Leben tritt. Oder genauer gesagt in sein Leben verschifft wird. Tot. Ermordet. Er befragt sie nach dem Tathergang, sie schlägt ihn nieder, beide schauen sich tief in die Augen – und der Leichenbestatter nebenan tut seinen letzten Atemzug. Chuck wird in Neds Geheimnis eingeweiht und die Liebenden schmachten sich von nun an – sehr zum Missfallen von Olive und Emerson. Und um nichtexistente Berührungen auszugleichen, legen beide sehr viel Erfindungsreichtum an den Tag. Die quirlige Chuck bringt frischen Wind in das verschlafene Leben von Ned, Olive und Emerson – und bringt mit ihrer naiv-direkten Art nicht nur Neds Herz zum Schmelzen.
Und doch bleibt die immerwährende Frage: Ist die große Liebe wirklich stark genug, um diesen Widerständen zu trotzen? Und wird ihr Ned das Geheimnis um den Tod ihres Vaters beichten? Und wenn dies endlich passiert, kann sie ihm verzeihen? - die Antworten werden nicht alle in der ersten Staffel von Pushing Daisies gegeben, doch die finale Folge lässt die Emotionen noch einmal von schneekalt bis rosarot-jauchzend hochkochen. Und dann hilft eigentlich nur: Staffel II einschalten.
Regisseur Bryan Fuller konnte hier seine komisch-makabere Seite voll und ganz ausleben, die er bereits bei Dead like me unter Beweis stellen konnte. Und auch die beiden Hauptdarsteller, Lee Pace und Anna Friel, überzeugen voll und ganz: Hinsichtlich Naivität und innerer Zerrissenheit hätte man vermutlich keine bessere Besetzung finden können. Und auch ihr Talent zum Komödiantischen verleiht Pushing Daisies den finalen Schliff.
Fazit: Genießen! Mit allen Sinne – mit den Augen, mit den Ohren – und ja, manchmal kann man all den Zucker und die Früchte und Träume sogar schmecken. Und keine Sorge, Staffel 2 folgt sogleich.
Elisa Jannasch Pushing Daisies, Staffel I (3 DVDs)
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