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My So-Called Life // Willkommen im Leben
Regisseure/Produzenten: Mark Piznarski, Scott Winant, Todd Holland Hauptdarsteller: Claire Danes, Jared Leto, Bess Armstrong
Die erste große Liebe, nervige Familie, alte
Freunde, neue Freunde, Schule, Unsicherheiten und Peinlickeiten – eben das ganz
große Leben. Und noch ein bisschen schlimmer. Willkommen im Leben, denkt sich
auch die 15-jährige Angela Chase, deren Leben in der Serie porträtiert wird.
Angela Chase (wunderbar hin- und her gerissen
zwischen Angepasstheit und neugierigem Aufbegehren: Claire Danes) ist eine
Musterschülerin aus einer heilen Familie in einem vorzeigbaren Vorort mit einer
besten Freundin. Doch nach den Sommerferien ändert sich das alles, als Rayanne
Graff (herrlich rotzig: A. J. Langer) in ihr Leben stolpert. Das unangepasste
Mädchen, das bei ihrer überforderten Hippie-Mutter aufwächst, bringt ihren
besten Freund Ricky (Wilson Cruz) mit.
Ricky wiederum fordert die Gesellschaft mit seiner offensichtlichen Homosexualität heraus. Diese sorgt im Laufe der Geschichte immer wieder für Zündstoff. Denn nur wenige nehmen Rickys sexuelle Orientierung nach nur kurzem Zögern einfach hin so wie Angela – die meisten reagieren aggressiv. Und Ricky, der von seinen Eltern verlassen und von den restlichen verwandten misshandelt wird, versucht, seine Unsicherheit zu verstecken – oder vor seinen Problemen davonzulaufen. Angela versucht ebenfalls gegen das Angepasstsein zu rebellieren, denn das ist sie nicht – so ihre Überzeugung. Doch was und wie sie genau ist, das findet sie erst im Laufe der Zeit heraus. Nicht nur ihre neue Freundschaft zu Rayanne mit allen einhergehenden Folgen (wilde Parties, Streit mit den Eltern, Drogen und Krankenhausaufenthalt, …) fordern Angela heraus, sondern auch ihre erste große Liebe ausgerechnet zu einem Außenseiter: Jordan Catalano. Doch sie lernt, dass man sich nicht verstellen muss, um gemocht zu werden – und erobert Jordans Herz. Bis sich die Frage stellt, ob er es auch wirklich wert ist – oder vielleicht doch eher der Nachbarsjunge, den sie bisher mit Verachtung gestraft und dessen Verliebtheit allerhöchstens ausgenutzt hatte. Sie lernt Respekt und Toleranz, den Wert von Liebe und Geborgenheit, Freundschaft und Optimismus. Sie macht Fehler, wie jeder andere auch – und sieht sie ein. Doch ist es am Ende vielleicht schon zu spät?
Zwei Jung-Darsteller aus dieser Serie haben seither ihren internationalen Durchbruch geschafft. Während Claire Danes dem Millionenpublikum aus eher Mainstream-Filmen bekannt ist (oft mit einer recht ähnlichen Rolle der zarten, verletzten Powerfrau), so wandelte Jared Leto oftmals auf Pfaden jenseits des Kommerz. So machte er nicht nur als Schauspieler von sich reden, sondern auch mit seiner Band 30 Seconds to Mars.
Bei der Produktion von My So-Called Life hielt sich das regieführende Team nicht nur mit den Alltäglichkeiten auf, sondern war hinsichtlich der Thematiken seiner Zeit weit voraus: Drogen, Vernachlässigung, häusliche Gewalt und Homosexualität. Themen, die in den Neunzigern keinesfalls neu waren, aber kaum zur Sprache kamen – schon gar nicht in den Medien. Doch My So-Called Life provozierte und rief damit etliche Gegner auf den Plan. Denn in welcher Teenager-Serie sollte schon Homosexualität und die darauf folgende Homophobie behandelt werden. Oder der erste Sex. Oder die Sexualisierung von Teenagern. Im prüden Amerika undenkbar. Vielleicht war das ein Grund, warum die Serie nach der ersten Staffel nicht fortgesetzt wurde. Oder vielleicht ist das der Grund, warum diese Serie bis heute nichts an ihrer faszinierenden Anziehungskraft eingebüßt hat – diese Spur Revoluzzertum, den Fernsehen heutzutage schlicht und einfach missen lässt.
Fazit: Aufregend, verrückt, düster und doch voller Hoffnung – My So-Called Life hat es geschafft, das Teenager-Leben in all seinen Facetten einzufangen. Garniert mit einem grandiosen Soundtrack garantiert My So-Called Life eine anspruchsvolle und packende Reise zurück in der Zeit.
Elisa Jannasch Willkommen im Leben (5 DVDs)
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