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Mein Leben ohne mich
Director: Isabel Coixet Hauptdarsteller: Sarah Polley, Scott Speedman, Amanda Plummer, Mark Ruffalo
Es sind diese Low-Budget Independent Filme, die ab und an beweisen, dass Kino groß sein kann. Im Fall von „Mein Leben ohne mich“ sogar ganz groß. Ganz große Kunst. Ein Film der ohne viel Sentimentalität die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die angesichts ihres bevorstehenden Todes noch einmal leben möchte. So banal und abgedroschen es klingen mag, so beweist die Regisseurin Isabel Coixet, dass dies nicht so sein muss.
Als Ann erfährt, dass sie innerhalb weniger Wochen an Krebs sterben wird, beginnt sie langsam, ihr Leben zu überdenken. Allem zugrunde liegt ihr Entschluss, niemandem etwas von dieser Diagnose zu sagen. Es ist unabänderlich, also hilft nur das Vorausschauen in die Zukunft. Sie nimmt Kassetten auf, die ihr Arzt, der augenscheinlich mit der Diagnose und dieser auf ihn sehr tapfer wirkenden jungen Frau überfordert ist, zu jeden Geburtstag an ihre Töchter schicken soll. Sie möchte ihre Familie versorgt wissen und sucht daher ihrem Mann die passende Frau. Das Schicksal und ihre Töchter helfen ihr unbewusst dabei, als nebenan die alleinstehende Ann (Amanda Plummer) einzieht. Und so arbeitet sich Ann durch die Liste der Dinge, die sie noch erledigen möchte, bevor sie stirbt. Leise und ohne Sentimentalität, und doch mit einer Leidenschaft, mit der sie ihr Leben nie zuvor gelebt hat. Auch wenn sie abgebrüht erscheint, so gibt sie doch in ihren Augen ständig ihre Einsamkeit und Angst preis: "Alone. You're alone. You've never been so alone in your whole life."
"Mein Leben ohne mich" ist so unglaublich traurig und hoffnungsvoll zugleich, dass er Beklemmungen bei dem Zuschauer auslöst, ob er sein Leben einfach nur an sich vorüberziehen lässt - oder ob er es lebt. Denn wer will schon sterben und hoffen, dass das Leben, aus dem er nun scheidet, nicht sein Leben war. Isabel Coixet greift in diesem Film viele Arten der Einsamkeit auf und webt einen vielschichtigen Film, dunkel und grau, voller Schatten. Denn auch Liebe kann Einsamkeit auslösen und nicht wieder ersticken, höchstens überdecken. Das Leben ist eine ständige Suche - wonach, bleibt in den meisten Fällen ungeklärt. Doch anstatt das Publikum an dieser Stelle verstört und hoffnungslos zurückzulassen, findet Coixet einen Weg zu zeigen, dass auch Grau und Schatten schön sein können, dass auch das Traurige Glück hervorbringen kann. Die schauspielerische Leistung von Sarah Polley ist - nicht nur in diesem Film - mitreißend, faszinierend und bedrückend zugleich. Sie porträtiert die junge Frau, die sich angesichts ihres bevorstehenden Todes mit ihrem Leben auseinandersetzt, einfühlsam und schockierend. Sie erweckt den Eindruck, dass sie sich im Laufe des Films immer mehr von der sterblichen Hülle der Ann verlässt und auf dem Weg ins Jenseits nur noch die Fäden zieht. Dass dieser Film nichts ins Kitschige abdriftet, ist auch ihrer Leistung zu verdanken. Mit ihrem wissenden, hintergründigen Lächeln verleiht Sarah Polley ihrer Figur die genau richtige Distanz zu ihrem Leben, dessen Krater immer weiter wächst. "Without dreams you can't fucking live. [...] You pray that this is your life without you." Ein Film, der unter die Haut geht und dort noch lang nachwirkt. Wie viel verpassen wir ihn unserem Leben? Gehen wir zu viele Kompromisse ein? Oder denken wir genug an unsere Mitmenschen, an unsere Lieben? Muss das Leben immer nach den Sternen greifen, reichen nicht doch manchmal die kleinen Dinge - oder einfach eine Jacke? Ein Film, den man sich immer wieder anschauen kann, ohne dass er an Schönheit oder Faszination verliert.
Elisa Jannasch Mein Leben ohne mich
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