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Babylon AD
Director: Mathieu Kassovitz Hauptdarsteller: Vin Diesel, Michelle Yeoh, Mélanie Thierry
Wer Mathieu Kassovitz als den verschroben- anziehenden Nino Quincampoix aus „Die fabelhafte Welt der Amelie“ kennt, der wird in „Babylon AD“ vergeblich nach Passfoto-Automaten suchen. Kassovitz befördert den Zuschauer in seinem neusten Regiewerk in eine apokalyptische Zukunftswelt.
Die Anfangssequenz des Filmes ist eine reife Hollywoodleistung: Vor dem verstörenden Hintergrund fortschrittlichster Technologie gepaart mit bitterster Armut der Bevölkerung macht Protagonist Toorop (Vin Diesel) in zwei wortarmen Sätzen seine Philosophie klar - töten oder getötet werden. Kein Risiko für andere eingehen, es lohnt nicht. Im dritten Satz gesteht er, dass ihm das Wohl einer anderen Person einmal tatsächlich am Herz gelegen hat. Nur führte die Besorgnis leider zu seinem vorschnellen Ableben.
Der Zuschauer horcht selbstverständlich auf. Wie viele Hollywood-Filmhelden berichten schon mal aus dem Jenseits? Nun gut, vermutlich so einige. Aber Toorop ist natürlich ein ganz besonderer. Der Sölder lebt in Kasachstan, wobei „lebt“ bereits übertrieben ist: Er haust in einem Einzimmerapartment und entkommt täglich nur knapp Angriffen und Explosionen. Vin Diesel gibt die Großschnäuzigkeit des Protagonisten sehr natürlich wieder, während der Zuschauer bereits erahnen kann, wie es innerlich um den harten, starken Mann gestellt ist: Toorop Gefühl ist verkümmert wie eine Hortensie in der Sahara.
Und was tut Hollywood, wenn es seinen muskelstarken Protagonisten wieder Lebenssinn einhauchen will? Genau. Er schickt einen Mafia-Paten. Eigentlich schickt Hollywood eine Frau, aber zuerst den düsteren Godfather. In Babylon AD wird der von Gérard Depardieu gespielt. Dieser verschafft Toorop einen Auftrag: Er soll die junge Frau Aurora (Mélanie Thierry) aus einem Kloster in der Mongolei nach New York bringen. Als Sold winkt Toorop ein US-amerikanischer Pass und damit die Möglichkeit eines Neuanfangs in dem Hollywoodgelobten Traumland.
Der Einzelgänger knurrt noch schnell ein „Ja“, bevor er losdüst. Was für ihn erst einmal ein Routinejob ist, wird rasch zur Herausforderung für sein zerbrechliches Gemüt und Gefühl. Natürlich dürfen aber auf dem Weg nach New York Schießereien, Verfolgungsjagden und Nahtoderfahrungen nicht fehlen. Was wartet dann wohl erst in New York auf ihn? Selbst wenn die Antwort an dieser Stelle verraten würde, schiene sie dermaßen absurd, dass man gleich ins Kino rennen und sie sich bestätigen lassen würde.
Fazit: Kassovitz hat zu Recht Blut und Galle gespuckt, nachdem 20th Century Fox seine Regiearbeit „zurecht geschnitten“ hat. Leider nutzte alles Gallespucken nicht – die Endversion entzog sich dem Einfluss des Regisseurs. Und die Zuschauer sollten sich der Endversion entziehen. Es sei denn, man braucht eine Portion Hollywood in seiner reinsten heroisch-sinnentleerten Form.
Anna Gielas Kino-Premiere: 11. September 2008
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