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Heute ein König…

 

... unter diesem inoffiziellen Motto stand die Einslive Krone 2003. Stars und Starlets der deutschen Musik- und Schauspielszene gaben sich in der Arena Oberhausen die Ehre. Einige mit der Hoffnung, ihre Leistungen durch die Krönung bestätigen zu lassen, andere mit der Mission, die Rolle der lobenden Gefolgschaft auszuführen. Nicht fehlen durfte natürlich das jubelnde Fußvolk – und das war in wahren Massen vertreten. Schon frühzeitig reihten sich die Fans entlang des Zauns am roten Teppich, mit dem Wunsch einen Blick auf ihre Stars und vielleicht sogar das ein oder andere Autogramm zu ergattern.

Der Höhepunkt der Show ereignete sich bereits vor Beginn derselben in Gestalt des Vorabkonzertes der Berliner Band Wir sind Helden. Sängerin Judith rettete mit ihrem Charme auch verpatzte Einsätze oder vergessene Texte, die Band spielte sich die Seele aus dem Leib. Kurzum: Die Helden rockten die Halle und heizten dem Publikum für die kommende Verleihung ein.

Durch den Abend führten die beiden Hofnarren und Einslive-Moderatoren Olli Briesch und Michael Imhof – mal mehr, aber auch mal weniger souverän. So zog Olli Briesch beim lockeren Schlagabtausch mit Anke Engelke deutlich den kürzeren, sehr zur Belustigung des Publikums. Die Video-Einblendungen zwischen Moderationen und Musikbeiträgen drifteten teilweise zu sehr ins Makabre ab, um noch wirklich lustig zu sein.

Highlights waren dagegen die diversen Auftritte von Mädchenschwarm Patrick Nuo über das swingende und stimmungsmachende Frank Popp Ensemble bis hin zu der wunderschön-ergreifenden Interpretation seines Hits „Ich bin wieder hier“ von Marius Müller-Westernhagen, der hier für sein Lebenswerk geehrt wurde. Er revanchierte sich, indem er andeutete, bald wieder in deutschen Konzerthallen begeistern zu wollen. Der Auftritt der Allround-Musikers und Komikers Helge Schneider wurde mit Spannung und Skepsis erwartet, doch letztere erwies sich als unbegründet: In gewohnt geschmackvollem Outfit kehrte er am Klavier in Begleitung eines Schlagzeugs und Cellos zu seinen Wurzeln als Jazz-Musiker zurück – und lieferte einen unsinnigen Songtext dazu. Aber wäre es sonst Helge Schneider gewesen?!

 

Bei den Gewinnern der einzelnen Kategorien gab es wenige Überraschungen: So gewann Jeanette bereits ihre zweite Krone, Wir sind Helden dürfen sich ebenso wie Reamonn von nun an Publikumslieblinge nennen. Denn in der Kategorie „Beste Band“ hatte die irisch-deutsche Grupope eindeutig die Nase vor der selbst ernannten besten Band der Welt, doch die Ärzte nahmen es gelassen, wie ein Video zeigte. Denn wer braucht schon die Krone, wenn man den Rockpreis eines Lokalradios gewinnt?!

Das Abschlusskonzert bestritten Dick Brave & the Backbeats. Leider ging dieser Auftritt in der allgemeinen Aufbruchsstimmung der Stars etwas unter, denn diese zog natürlich auch die Fans von ihren Sitzen. Doch Dick Brave hauchte dem Rock’n’Roll wieder Leben ein, und das nicht zu knapp. Man merkte dem Sänger an, dass er den Rockabilly lebte, ebenso wie die restliche Band. Nur der kanadische Akzent, den der Star trotz internationaler Auftritte noch nicht abgelegt hat, erschwerte das Verständnis seiner Zwischenansagen etwas.

Vor der Show ist nach der Show und so beobachteten die Fans auch den Auszug der Stars aus der Arena mit Argusaugen. „Und die richtig Coolen dürfen jetzt noch zur Aftershow-Party!“ seufzte eines der Mädchen recht neidisch, als wieder eine Limousine im Schritttempo an ihr vorbei rollte.

 

Die Aftershowparty

 

Wer ein richtig treuer Fan ist, sprintete natürlich von der Halle zu dem nahe gelegenen Oberhausener Club Adiamo, um auch ja keinen der Idole zu verpassen. Kaum öffnete sich eine Autotür kreischten sie wie auf ein geheimes Zeichen hin: „Andy, Andy, Andy!“. Andy-Andy schüttelte Hände, schrieb brav Autogramme und posierte für die Fotografen. Diese Prozedur wiederholte sich so lange, bis alle Stars in dem Club waren. Die Identität von Andy-Andy klärte sich übrigens im Laufe des Abends nicht mehr auf: Er verschwand im Getümmel der Menge und ward nicht mehr geseh’n.

Doch das ging nicht nur ihm so: Die Party platzte gerade zu Beginn aus allen Nähten. Strahlende Gesichter, wohin man blickte. Egal, ob Gewinner oder „nur“ Nominierte – alle feierten zusammen. Die gute Stimmung steckte an und so ließ sich beispielsweise die Newcomer-Band Virginia Jetzt! dazu hinreißen, ihren Erfolg und einen coolen Abend mit Sekt aus einem Pumps zu begießen und gesellte sich zu den Gewinnern von Wir sind Helden und den Sportfreunden Stiller. Die Einslive-Moderatoren tauschten sich untereinander aus, Patrick Nuo wurde im Gespräch mit den Mädels von Wonderwall und Jeanette Biedermannn gesichtet, die Fußballer/Schauspieler aus dem „Wunder von Bern“ mischten die Szene (nicht nur optisch) auf – eine bunte Mischung also. Manche verweilten dagegen nur kurz, ganz nach dem Motto: sehen und gesehen werden, doch der harte Kern vergnügte sich bis in die frühen Morgenstunden, ohne dass sich der  Club wesentlich leerte.

Das lag bestimmt nicht nur an dem guten Büfett, sondern eher an der unterhaltsamen Gesellschaft – und natürlich der ausgezeichneten Musik. Für den Hörgenuss sorgten DJ Tomekk und als Special-Guest der Nominierte der Kategorie „Bester Newcomer“, Frank Popp. Ein gelungener Mix aus Dance, Charts und Oldies ließ keinen der Gäste unberührt und zog alle auf die Tanzfläche. Partystimmung pur, die alle Anwesenden genossen.

 

Alles in allem...

 

... sollte es eine Show der Superlative werden. Schließlich handelt es sich bei der Krone um den größten deutschen Radiopreis. Dementsprechend groß war der Medienrummel im Vorfeld, die Beteiligung an den Votings für die Zuschauerpreise war so hoch wie noch nie. Und zugegeben: Die Veranstaltung war unterhaltsam, spannend und ein Erfolg. Doch die Liste der Abwesenden war lang – aus Krankheits-, Schwangerschafts-, Auftritts- und sonstigen Gründen, - die Witze kamen nicht immer gut an und die Anmoderationen waren teilweise etwas fad. Vieles wirkte zu einstudiert und fast schon zu langweilig, Überraschungen blieben aus (auch bei den Gewinnern der Krone).

Also: Das „summa“ zu „cum laude“ können wir bei der Auszeichnung der diesjährigen Einslive Krone leider nicht verleihen, behalten aber trotzdem gerne eine abwechslungsreiche Show mit hochkarätigen Musik-Auftritten in Erinnerung.

 

Elisa Jannasch