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Carolina de Robertis: Die unsichtbaren Stimmen
Eine Familiensaga über drei Generationen. Was zunächst
den Anschein erweckt, schon oft da und dabei nie wirklich originell gewesen zu
sein, wird hier von Carolina de Robertis in einem völlig neuen Licht gezeichnet.
Sie erzählt die Geschichte ihrer Familie, die ihre Wurzeln in Uruguay begründet
und der Heimat trotz vieler Irrungen und Wirrungen treu geblieben ist.
Die Geschichte setzt mit der Geburt eines kleinen Mädchens ein, bei deren Geburt
die Mutter stirbt. Gleich einer Schuldzuweisung wird das Kind ignoriert, bis es
über Nacht spurlos verschwindet. Genauso plötzlich taucht es Monate später in
dem Wipfel eines Baumes wieder auf und lässt sich in die Arme seiner Tante
fallen. So beginnt die wunderbare Geschichte der Pajarita, die als junge Frau
den Venezianer Ignazio kennen- und lieben lernt. Sie folgt ihm aus ihrem kleines
Dorf am Río Tinto ins große Montevideo.
Doch die große Liebe wird vom Alkoholproblem und Geldsorgen Ignazios
überschattet und zerbricht beinahe daran. Nach drei Söhnen folgt Tochter Eva in
die Familie. Diese stellt bald fest, dass sie sich durch ihre Träumereien, ihre
Liebe zur Poesie stark von ihrer eher bodenständigen Familie unterscheidet. Sie
folgt ihrer vermeintlich großen Liebe nach Buenos Aires, um dort den Lebensstil
der Bohême auszukosten und Andrés ihre Liebe zu gestehen. Beide Pläne scheitern
und Eva lernt während eines Krankenhausaufenthaltes den wohlhabenden Dr. Santos
kennen. Ihm wird sie zunächst eine gute Ehefrau und kann unbeschwert das zuvor
erträumte Leben führen, sich ganz der Dichtung widmen.
Doch insgeheim begehrt sie gegen ihren Mann auf - und wenn es sich nur um das
Stillen ihrer Tochter Salomé handelt. Durch Evas Einmischen in die von Peron
diktatorisch geführte Politik Argentiniens muss die Familie fliehen - zurück
nach Buenos Aires. Doch auch nach dem Sturz von Peron weigert sich Eva, ihren
Mann zurück nach Argentinien zu begleiten. Als Alleinerziehende schlägt sie sich
von nun an im Bannkreis des elterlichen Hauses durch. Ihre Tochter Salomé
verkörpert nach außen hin die Musterschülerin und ein zurückhaltendes Mädchen,
während hinter dieser Fassade der rebellische Geist ihrer Mutter brodelt.
"Die unsichtbaren Stimmen" erzählt zwar die Geschichte einer Familie, doch
fokussiert sie auf den weiblichen Hauptrollen: Pajarita, Eva und Salomé. Diese
drei auf den ersten Blick so unterschiedlichen Frauen eint ihr
unerschütterlicher Glaube. Nicht etwa an Gott, aber an die Kraft der Kräuter,
der Worte oder der Revolution. Sie alle streben nach einem besseren Leben für
sich und ihre Lieben und kämpfen dementsprechend dafür mit den ihnen zur
Verfügung stehenden Mitteln. Sie alle eint ihre zu der jeweiligen Zeit
ungewöhnlichen Unabhängigkeit, ihr Mut und nicht zuletzt der Glaube an sie
selbst. In diese Geschichte webt de Robertis historische Fakten ein und
schildert, wie die Politik auch das Leben einer kleinen, unbedeutenden Familie
beeinflussen kann. Oder umgekehrt: wie das Volk selbst Macht auf die Regierung
ausüben kann.
De Robertis schreibt schlicht und doch packend. Sie scheint die Liebe zur
Wortspielen gleich ihrer Urgroßmutter geerbt zu haben und lebt diese aus. Sie
erzählt nicht: Sie malt mit Worten und lässt vor den inneren Augen des Lesers
Landschaften erstehen, Gefühle wachsen und Leben vergehen. Aus jedem ihrer Sätze
jedoch tropfen eine tiefe Verbundenheit und Ehrfurcht vor dem Land ihrer
Vorfahren, Uruguay. ebenso setzt sie den Frauen ihrer Familie mit diesem Roman
ein zumindest literarisches Denkmal.
Fazit:
Ein faszinierender Roman, der es versteht, Stimmungen einzufangen und zu
vermitteln. Die Familiengeschichte scheint untrennbar mit der Historie Uruguays
verwoben - eine Mischung, die fesselt.
Elisa Jannasch
Carolina de Robertis: Die unsichtbaren Stimmen
Broschiert - Krüger
Erscheinungsdatum: Juni 2009
ISBN: 3810507997
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