MyCulture

 

 

 

Jenni Zylka: Beat Baby, beat!

 

Jenni Zylka, ihres Zeichen freie Journalistin und Autorin des grandiosen Erfolgs 1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann, war wieder kreativ. Die Berlinerin schrieb und schrieb und heraus kam ein Roman, der vor Musik, guter Laune, geraden Einstellungen und Berliner Schnauze nur so strotzt. Eben Beat Baby, beat!

 

Beat ist das einzig Wahre, was es so an Musik gibt. Soviel steht unumstritten fest. Findet zumindest Brenda. Und bald darauf findet sie in Conny – zumindest was den Musikgeschmack angeht – eine Seelenverwandte. Bei soviel musikalischer Einigkeit und noch mehr Lebensparallelen bleibt den Beiden ja fast nichts anderes übrig als eine Band zu gründen. Die schönen Schwestern passen perfekt dazu, finden sie. Beatmäßig eben, und außerdem locken sie die männlichen Fans in Scharen an. Nathalia rundet bald das Ensemble ab und die Beat Band ist geboren.

Klar, dass bei so geballter Frauen-Power auch der erste Hit nicht lange auf sich warten lässt. Im Achterbahn-Tempo geht es danach mit der Karriere bergauf, was nicht nur Brendas geliebter Stiefelsammlung zugute kommt, sondern auch dem wachsenden Bekannt- und Beliebtheitsgrad der Beat Bande.

Doch wie das bei Achterbahnfahrten nun mal so ist, geht es auch immer wieder einmal herunter. Erst geht es noch langsam, dann aber ist der Fall unaufhaltsam und steil. Genau diese Erfahrung müssen auch die fünf Mädels machen. Doch was immer auch kommt: Sie tragen den Beat im Herzen!

 

Beat Baby, beat! ist eine erfrischende Story, die mit viel Charme, Witz und Selbstironie daherkommt. Jenni Zylka stellt die fünf Beat-Mädels keineswegs als Model-ähnliche Supermusikerinnen dar, sondern als ganz normale Durchschnittsmenschen mit all ihren Macken und Tücken, die fast wie aus Versehen Karriere machen. Das macht sie überaus liebenswert und lebensnah, denn es zeigt, dass Fehler dazugehören und sie nicht gleich den Weltuntergang nach sich ziehen müssen.

Angesiedelt ist der Roman im Berlin der Nach-Wende-Zeit. Vielleicht ist auch deshalb so viel Realismus und Ehrlichkeit mit eingeflossen, denn Zylka schreibt in manchmal radikaler und brutaler Unverhohlenheit ihre Meinung nieder und lässt dabei kein gutes Haar an 08/15-Musikern, der Werbeindustrie und überhaupt an der Konsumorientierung der heutigen Bevölkerung. Dabei lässt sie kein Klischee aus: durchfeierte Nächte, Groupies, Zickenkrieg in der Band, Streit mit Managern – eben all das, was sich der Durchschnittsbürger bezüglich des Musikerlebens so ausmalt.

Herrlich liest sich dabei auch das Berlinerische – doch Vorsicht: Berliner Schnauze ist höchst ansteckend. Und so kann es leicht passieren, dass man selbst nach dem Lesen des Buches ausruft: „Dit is’ mal 'ne schicke Idee!“

 

Elisa Jannasch

Jenni Zylka: beat baby, beat!

Broschiert - Rowohlt Tb.
Erscheinungsdatum: Juni 2004
ISBN: 3499236192