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Richard Yates: Easter Parade
Easter Parade erzählt die Geschichte von Sarah und Emily Grimes, Töchter von geschiedenen Eltern, die während der Großen Depression heranwachsen. Zeit ihres Lebens kämpfen sie um das Glück, das sie in ihrer Kindheit vermissten – beide Schwestern auf höchst unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichen Erfolgen.
Sarahs Ausweg aus diesem Kreislauf ist die Heirat mit dem charismatischen, jedoch mittellosen Tony. Aus der Ehe gehen bald drei Söhne hervor, die Familie wohnt auf einem Landsitz mit Tonys Eltern. Ein großes Gut: alt und verwahrlost. Es dauert nicht lange, bis Sarah die Trinkgewohnheiten ihrer Schwiegermutter übernimmt. Die Fassade der glücklichen Ehe bekommt erste Risse, als Emily bemerken muss, dass Tony ihre Schwester schlägt. Emily dagegen schließt als erste ihrer Familie ein College-Ausbildung erfolgreich ab und arbeitet von da an in unterschiedlichen Branchen: als Buchhalterin in der Lebensmittelindustrie, als Journalistin, als Werbetexterin in einer Agentur. Ihr Neffe Peter erzählt ihr später, dass er ihre Unabhängigkeit – von Männern, von vorgeschriebenen Werdegängen und konventionellen Gedanken – an ihr sehr bewunderte. Für ihn sei sie die Anführerin der Emanzipationsbewegung. Doch auch dieser Schein trügt: Denn ihre wechselnden Affären und Beziehungen kann sie mit zunehmenden Alter nicht mehr halten, ebenso wenig wie ihre Stellung in der Werbeagentur. Damit bricht die Einsamkeit unbarmherzig über ihr herein, Emilys persönlicher Tiefpunkt.
Richard Yates erzählt die Geschichte der Familie Grimes schnörkellos, scheinbar stoisch. Chronisch reiht er die Ereignisse aneinander, Leben und Tod, tot leben. Er würzt seine Erzählungen mit einer feinen Prise Ironie – und dennoch wirkt sein Roman seltsam einfühlsam und anrührend.
Richard Yates, geboren 1926 im US-Bundesstaat New York, machte sich als Werbetexter bereits früh einen Namen. Für Senator Robert Kennedy setzte er später sein rhetorisches Talent als Redenschreiber ein. Er war auch als Chronist für amerikanische Vorstädte renommiert. Während sein erster Roman noch als Meisterwerk gefeiert wurde, erhielten seine nachfolgenden Bücher weniger Beachtung. Richard Yates starb 1992 im Alter von 66 Jahren in Birmingham, Alabama, und hinterließ drei Töchter aus zwei Ehen. Sein früher Tod wurde vermutlich durch übermäßigen Alkohol- und Zigarettenkonsum herbeigeführt. Posthum wurde sein Werk „Easter Parade“ wiederentdeckt und erneut publiziert. Auch seine anderen Romane erleben heute nach seinem Tod eine Renaissance.
Anhand Yates’ Leben lassen sich viele Parallelen zur Geschichte von Sarah und Emily, ja sogar zu ihren Eltern erkennen: Bis auf Emily leiden alle Familienmitglieder unter Alkoholismus, wirklich alle sind starke Raucher. Sie kämpfen mit den Nachteilen einer Herkunft aus den Vororten. Yates und Emily strebten nach Höherem, sahen in ihrem Schreiben den Weg, sich selbst zu hören und in der Öffentlichkeit gehört zu werden. Zu Lebzeiten sollte das weder Yates noch seiner Protagonistin gelingen.
Fazit:
Ein tief berührender Roman, der in seinem Verlauf immer wieder Hoffnung und Optimismus verbreitet. Der Leser bangt mit der Protagonistin Emily und hofft gemeinsam mit ihr auf ein besseres Leben. Umso tragischer das Ende: Es wird offen gelassen und gerade dadurch scheint der soziale Abstieg der Emily Grimes besiegelt. Der Roman hinterlässt nachdenkliche, melancholische Leser, rühmt aber gleichzeitig die Stärke der Frauen und die Kraft der Unabhängigkeit, die es stets zu wahren gilt.
Elisa Jannasch Richard Yates: Easter Parade
Gebundene Ausgabe
- DVA
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