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G. Willow Wilson: Kairo Sunset

 

So romantisch der Titel "Kairo Sunset" auch klingt, so sollte man sich nicht in die Irre führen lassen. Es ist keine Liebsschmonzette - vielleicht gerade mal eine zarte Romanze - sondern es handelt sich hierbei um die Biographie der jungen Amerikanerin G. Willow Wilson, die ihren Weg vom College-Abschluss über die ersten Monate ihres Lebens in Kairo beschreibt.

G. Willow Wilson ist eine durchschnittliche amerikanische College-Studentin, die sich durch die ersten Monate ihrer Unabhängigkeit  fernab ihrer Familie kämpft. Auch durch einen Dschungel der Selbsterfahrung und des In-Frage-Stellens bisheriger Werte, Glaubensrichtungen und Ideale. Im Zuge einer Krankheit verspricht sie - eher leichthin und wenig durchdacht gesagt - Muslimin zu werden, sollte sie gesund werden. Sie wird gesund, doch ihre Zuwendung dieser Religion entgegen entspringt mehr als nur einer Verpflichtung, sondern einem tiefen Interesse und einer Ehrfrucht einer Religion gegenüber, die eigentlich die Menschlichkeit predigt. Selbst die Anschläge vom 11. September können sie von diesem Weg nicht abbringen, auch wenn sie ihre Gesinnung nun erst recht im Geheimen ausübt.

Nach Abschluss des College bietet sich ihr die Möglichkeit, an der internationalen Schule in Kairo zu unterrichten. Mit den spärlichen Arabisch-Kenntnissen aus ihrer amerikanischen Schulbildung und dem Wissen, in dem Islam ihre Religion und Zuflucht gefunden zu haben, lässt sie sich auf dieses Abenteuer ein. Sie findet ihren zukünftigen Mann, herausfordernde Lebensbedingungen, Vorurteile und Akzeptanz, wo sie sie am wenigsten erwartet hätte, Erfolg und Niederlagen - doch vor allem Erkenntnisse in eine neue Kultur. Eine Kultur, die aus einer jahrtausende alten Tradition, aus einer ebenso alten Religion und einer überzeugten Leidenschaft entstanden ist. Die auf Respekt und erstaunlich wenig Doppelmoral basiert.

Zwar wirft Mrs. Wilson auch kontroverse Themen auf und diskutiert schwierige Themen, doch schwingt immer ihre Präferenz und Überzeugung mit. Es gelingt ihr nicht, eine gewisse Neutralität und Objektivität zu bewahren. Der Mangel an Unbefangenheit und Offenheit gegenüber dem anderen prangert sie oft an ihrer westlichen Umwelt an - doch genau das ist es, was ihr fehlt. Sie lässt keine Kritik am Glauben, dem Volk und seinen Überzeugungen zu. Lediglich hygienische Bedingungen werden liebevoll als früher einmal suboptimal umschrieben. Die Leser erfahren viel über das Aussehen von Extremisten, wenig aber über deren Motivation und die Attitüde des übrigen Volkes ihnen gegenüber. Schade - denn genau diese kritische Stimme hätte dem Buch noch gut getan.

Fazit:

Die Erzählung einer Lebensgeschichte, die nachdenklich macht, Fragen aufwirft, neue Erkenntnisse über eine doch so ferne Kultur und Religion hervorbringt. Der Roman macht nachdenklich und regt zu weiteren Recherchen an. Keine leichte Kost für zwischendurch, aber umso lesenswerter.

 

Elisa Jannasch

G. Willow Wilson: Kairo Sunset

Broschiert - Droemer
Erscheinungsdatum: März 2011
ISBN: 3426275120