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Mark Twain: Sommerwogen
Die breite
Öffentlichkeit setzt Mark Twain mit den Abenteuern von Huckleberry Finn und Tom
Sawyer gleich. Ein Autor unterhaltsamer Abenteuer, die leichte Kritik am
vorherrschenden Denken und System der damaligen USA aufkommen ließ. Ein Grund,
warum dieser Klassiker noch heute aus vielen amerikanischen Schulbibliotheken
verbannt wird. Doch viel mehr ist über Mark Twain nicht bekannt.
Leider. Denn Mark Twain war
viel mehr als. Zum Einen war Mark Twain nur sein Pseudonym, denn tatsächlich
lautete sein Name Samuel Langhorne Clemens. Geboren wurde er am 30. November
1835 in Florida, Missouri und verstarb im Alter von 75 Jahren am 21. April 1910
in Redding, Connecticut. Sein Leben begann und endete fast genau mit dem ersten
Erscheinen und der erneuten Wiederkunft des Halleyschen Kometen – und
kometenhaft könnte man auch seinen Aufstieg in der damaligen amerikanischen
Literatur- und Kulturszene nennen.
„Sommerwogen“ schildert sein Leben anhand kurzer biographischer Einleitungen und
Briefwechsel: zwischen ihm und seiner großen Liebe und späteren Ehefrau Olivia
Langdon, mit seinen Töchtern und Freunden. Er schildert darin sein tägliches
Leben während der Vortragsreisen, die einen erheblichen Teil zu seiner
Popularität und nicht zuletzt zu seinem Lebensunterhalt beitrugen. S.L. Clemens
liebte und hasste diese Reisen gleichermaßen: Er liebte es, im Mittelpunkt zu
stehen und die Gesellschaft zu unterhalten. Doch gleichzeitig fiel es ihm
schwer, seine Familie zurückzulassen. So schrieb er als Weihnachtsmann seinen
Töchtern und gab genau Instruktionen, wie und wann Geschenke zu erwarten seien.
Diese liebevolle Beziehung wurde auch von seinen Töchtern erwidert. So stellte
seine Älteste, Susy, Bemühungen um eine Biographie ihres berühmten Vaters an –
und schildert ihn als den bestaussehendsten Mann, der ihr je begegnet ist.
Durch die Liebe zu Olivia wandelte er sich von einem eher ungeschliffenen
Trunkenbold zu einem sensibleren Gentleman, der einen wohlsituierten Lebensstil
und die höhere Gesellschaft zu schätzen vermochte, der sich Gott in Gebeten
zuwandte, und zumindest versuchte, dem Alkohol und Tabak abzuschwören.
Seine Reisen als Journalist führten ihn zunächst quer durch die Vereinigten
Staaten, wo er mit seinen satirischen Schriften und kritischen Beobachtungen für
Aufsehen erregte. Früher als Missisippidampfer-Steuermann, nun als Reporter –
Clemens setzte sich von den traditionellen Erwartungen ab. Gleichzeitig
investierte er viel Zeit in seine eigene Fortbildung und erweitere durch Lesen
in Eigenregie stets seine Allgemeinbildung. Dies spiegelte sich auch in seinen
Schriftsätzen wider, da er starke Kritik an der noch immer vorherrschenden
Rassendiskriminierung und dem sehr elitären Kastendenken der Gesellschaft
ausübte: Ihn störte diese Zweiteilung der Gesellschaft durch materielle Güter
und wurde nicht müde aufzuzeigen, dass die Gesellschaft vielmehr durch
intellektuelle Status geteilt wird und sich durch seine Ansichten oftmals auch
selbst degradiert. Gerade in der intellektuellen Oberschicht des Landes wurde er
aufgrund seiner unbequemen Wahrheiten gefeiert.
Später reiste er auch – teils mit seiner Familie – durch Europa, bewies wenig
Geduld beim Erlernen der deutschen Sprache, erlebte aber umso lieber, auch bei
Wanderungen mit seinem Bruder, Land und Leute. Er lernte England sehr zu
schätzen, wurde jedoch nie richtig warm mit den Franzosen. Diese Reisen
lieferten ihm genügend Material für weitere Bücher, Reiseberichte und
Abhandlungen. Zudem eröffneten diese Reisen auch seinen Töchtern große
Möglichkeiten: zwei von ihnen studierten in Berlin, Clara nahm in Wien
Klavierunterricht.
Clemens’ Leben war jedoch nicht sorgenfrei. Sein Schreiben brachte der Familie
genügend Geld ein; dennoch verspekulierte er sich und brauchte Zeit, um sich
davon wieder zu erholen. Auch persönliche Schicksalsschläge überschatteten sein
Leben. Sein Erstgeborener und einziger Sohn verstarb im Alter von zwei Jahren.
Und auch seine Frau sowie drei seiner vier Töchter musste Clemens zu Grabe
tragen. Wehmütig und voller Sarkasmus verarbeitete er seine Trauer literarisch.
„Sommerwogen“ hat für jeden Literaturbegeisterten unschätzbaren Wert, da es
einen intimen Einblick in das private Leben eines Autors ermöglicht, der viel
verkannt wurde – nicht zuletzt aus Unwissenheit, da sein Leben oft nur auf Tom
Sawyer reduziert wurde. Glücklicherweise war dies nur ein Bruchteil dessen, was
Samuel Clemens wirklich ausmachte.
Fazit:
Ein anrührendes Buch voller
Liebe und Humor, das den Autor Mark Twain in einem neuen Licht erscheinen lässt
und ihn als einen vielschichtigen Schreiber und Charakter zeigt.
Elisa Jannasch
Mark Twain: Sommerwogen
Gebunden
- Aufbau Verlag
Erscheinungsdatum: Januar 2010
ISBN: 3351033036
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