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 Lady Murasaki (in engl. Übersetzung von Arthur Waley):

The Tale of Genji

 

 

 

Das letzte Werk in der Reihe der japanischen Perlen der Literatur, aus denen wir Wissen über die Kultur und Sitten Japans schöpfen können, ist ein Klassiker par excellence.
 

Um Tausend nach Christus verfasste Lady Murasaki, die damals am japanischen Kaiserhof lebte, die Geschichte über Genji. Genji ist der Sohn eines Kaisers und einer seiner Konkubinen, Lady Kiritsubo. Der Titel beraubt muss er als einfacher Mann seine Existenz aufbauen.

Den Japanern ist Lady Murasakis Werk was für die Engländer Shakespeares Dramen sind: Die vornehme Sprache, die subtile Belehrung, die stilistischen Mitteln, die weisen Zitate – Murasaki hat ein „Nationalwerk“ verfasst. Und allein schon aufgrund seiner 1100 Seiten in englischer Übersetzung darf man es ein Monumentalwerk nennen. Wem 1100 Seiten zuviel sind, aber wer das Werk nicht ungelesen lassen möchte, für den gibt es die Alternative der Manga-Version, wobei leider die meisten und entscheidenden Elemente des Werkes verloren gehen.

Die Geschichte von Genji steht europäischen Sagen in nichts nach, besonders denen der griechischen Mythologie: Lust, Intrigen, Liebe, Leidenschaft, uneheliche Kinder auf dem Thron und jede Menge Geheimnisse. Hat man über die griechischen Götter gelesen, ist das Lesen über den japanischen Kaiserhof also nichtig? Wer sich diese Frage stellt, sollte lieber sofort mit der Lektüre der „Tale of Genji“ beginnen, denn mithilfe kaum eines Buches erhält der europäische Leser so viele Einsichten in das Leben (und Sterben) am japanischen Kaiserhof wie in Lady Murasakis Werk. Die thematischen Parallelen zu europäischen Sagen sollten höchstens zur Lektüre einladen, keineswegs von ihr abhalten.


Fazit:

Die japanischen Adeligen werden faszinierend, da sehr genau und detailliert, beschrieben, in beidem, ihrem Aussehen und Handeln. Besonders spannend: Ihre Gefühle und ihr Aufbegehren gegen die Hofetikette - nicht minder interessant ist auch das verhängnisvolle Schweigen entsprechend der Hofsitten. Kleidung, Essen, Alltag – das Buch ist eine Fundgrube für alle Japaninteressierten und Waleys Übersetzung (die erste und freie Übersetzung des japanischen Werks) ein Genuss. (Anmerkung: Wer die Sprache gerne als unbekanntes Gefilde für weiteren Aufschluss über Mensch und Kultur nutzen möchte, sollte eine andere, näher am Ursprungstext orientierte Übersetzung wählen.)

 

Anna Gielas

Arthur Waley: The Tale of Genji

Taschenbuch - Dover Publications
Erscheinungsdatum: 2000

ISBN: 0486414159