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Japan Special: Eine Bücherrezension mit dem Titel „weniger lesenswert“ zu versehen, scheint nicht fair. Schließlich sind Geschmäcker verschieden und was dem einem weniger lesenswert scheint, kann des anderen Lieblingswerk sein.
Aber im Rahmen der „Japan Special“-Wochen ist es doch
angebracht, einigen Büchern eben diese Überschrift zukommen zu lassen – nicht
als Wertung ihres Inhalts, sondern ihrer Bedeutung für Leser, die mehr über
die japanische Kultur, Denkweisen, Schreibstile und Literaturthemen erfahren
wollen.
Die folgenden zwei Bücher bieten in dieser Hinsicht nicht viele Einblicke in die
japanische Literatur.
Kyoichi Katayama: Das Gewicht des Glücks
Junge findet Mädchen, Mädchen wird todkrank und stirbt. Junge trauert. Und
selbst wenn man diese Tragödie in zehn Worten zusammenfassen kann und obgleich
diese Tragödie ein ständiger Schatten des Alltags überall auf der Welt ist,
ändert es nichts an dem Fakt: Unerträglicher Schmerz über den Verlust des
geliebten Menschen erhebt sich über die Kulturen hinweg und berührt jeden, der
Empathie besitzt.
So auch Katayamas Buch.
Aus ihm gewinnt der Leser jedoch keine Einblicke in die japanische Kultur. Aus
ihm schöpft er einmal mehr die Einsicht, dass das Leben allzu fragil ist und das
Glück mit der geliebten Person bis in die letzten Sekunden ausgeschöpft werden
sollte. Sehr passend: der Titel des Buches.
Banana Yoshimoto: Kitchen
Küchen, Transvestiten, Mord, Verlust, Begehren. Klingt ein wenig nach einem
Krimi anno 2009? Vielleicht. Es ist aber der Inhalt eines Buches von Banana
Yoshimoto aus dem Jahr 1988. Angesichts des Veröffentlichungsjahrs scheint das
Buch damals noch heikle Themen offen und mutig angesprochen und mit
Abgründen des menschlichen Selbst-Verständnisses konfrontiert zu haben. Aber darin bleibt es allzu
flach und Yoshimotos Charaktere scheinen eher „Erscheinungen“ als „Individuen“,
die Entwicklungen durchmachen, Zweifel und Angst unterdrücken, zulassen, dagegen
ankämpfen und - lernen.
Davon abgesehen lernt man auch hier Japans Kultur nicht weiter kennen.
Nichtsdestotrotz: Als „Krimi anno 2009“ und mit keinen größeren Erwartung ist „Kitchen“
unterhaltsam.
Anna Gielas
Kyoichi Katayama: Das Gewicht des Glücks
Broschiert
- Goldmann
Banana Yoshimoto: Kitchen
Taschenbuch
- Diogenes Verlag
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