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Wolf D. Karl: Das Farbwörterbuch
- Die Farbigkeit der Begriffe -
 

 

Wer sich jemals mit Design und Layouts beschäftigt hat, weiß, dass mit der richtigen Farbwahl ein Konzept stehen und fallen kann. Auch wenn man sich über Geschmack bekanntlich trefflich streiten kann, so ist er doch weit weniger subjektiv, als man immer vermutet haben mag.

 

Denn das menschliche Unterbewusstsein wurde von jeher durch Farben beeinflusst und assoziiert zu einem großen Teil bestimmte Gegenstände, Empfindungen und Erwartungen mit ihnen. Der andere große Teil wurde durch persönliche Erlebnisse und Lernerfahrungen geprägt. Sowohl positive als auch negative Erlebnisse belasten die menschliche Psyche nachhaltig und es ist nicht einfach, diese Erfahrungen zu egalisieren oder sie sogar umzupolen.

Hinter der auf den ersten Blick widersprüchlichen Überschrift „Kreativität braucht Ordnung“ verbirgt sich der Verweis auf die Bibel eines jeden Graphikers: das RAL Design-System. Buntton, Helligkeit und Sättigung werden hier bestimmt und durch Zahlencodes definiert. So können individuelle Farben geschaffen werden, die sich vielleicht nur durch Nuancen voneinander unterscheiden, dadurch aber Originalität entstehen lassen – und Einzigartigkeit. Trotz dieser schier endlosen Kombinationsmöglichkeiten ist es erstaunlich zu sehen, wie sehr sich das menschliche Farbempfinden in seinen Assoziationen ähnelt.

In dem bilingualen Werk (deutsch-englisch) sammelten der Herausgeber Dr. Wolf D. Karl und sein Team unzählige Farbassoziationen zu bestimmten Adjektiven von einer internationalen, heterogenen Probandengruppe. Unter Themengebieten „edel bis ungenießbar“ oder „flach bis zickzack“ finden sich Stichworte, zu denen die Probanden ihre Empfindungen, assoziierten Farben und Zeichnungsstile abgeben konnten. Zu jedem Thema findet sich eine RAL-Tabelle, Prozentangaben der Probanden-Übereinstimmungen sowie eine so genannte „grafische Haltung“, welche Formen und Pinselführungen reflektiert, welche die Probanden als typisch für diesen Begriff empfanden.

Und damit dieses Buch auch tatsächlich als Nachschlagewerk genutzt werden kann, soll an dieser Stelle auf den sehr hilfreich alphabetischen Index verwiesen werden. Wer hier nicht die richtige Farbe zu einem Konzept findet, ist fast selbst Schuld. Oder überfordert: Denn wer weiß schon immer genau, welche Emotion dargestellt werden soll. Und lässt sich diese wirklich immer so einschränken?

Zudem werden noch die Arbeiten dreier Probanden gezeigt. Auffällig ist hier, dass weder von der Farbwahl noch dem Zeichenduktus darauf geschlossen werden kann, welchen Geschlechts die Maler sind. Dementsprechend lässt sich hier ein Kreis schließen und eine Argumentation beenden: Die Farb- und Designwahl wird nicht durch das Geschlecht einer Person bestimmt, sondern tatsächlich durch ihre Lernerfahrungen und Erlebnisse.

 

Fazit:

Ein wunderbarer Ratgeber, ein hilfreiches Nachschlagewerk – und trotz seiner theoretischen Natur auch ein interessantes Lesebuch. Dem einen mag es eine Hilfe sein, dem anderen Inspiration: aufschlussreich ist diese Farblehre allemal und zeigt, dass auch Goethe schon sehr richtig lag.

 

Elisa Jannasch

Wolf D. Karl: Das Farbwörterbuch

Gebunden - Callwey
Erscheinungsdatum: Februar 2010

ISBN: 3766718258