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Liebesgeschichten des japanischen Kavaliers Narihira

Aus dem Ise-monogatari 

 

Es war einmal… ein Kavalier. So beginnen die kurzen Liebesgeschichten, über deren Urheber die Wissenschaft noch heute rätselt. Vermutlich, so das Gros der Fachleute, hat „der Kavalier“ Ariwara no Narihira sie persönlich verfasst. Damit wird die Entstehung der Prosa auf das 9. Jahrhundert datiert. 

 

„O unbekannter störender Wächter am Weg meiner Liebe-
schlummerstest du mir doch Abend für Abend ein“ klagt der Kavalier.
Die Dame des Herzens zu erobern war nämlich auch im frühen Jahrhundert nicht leicht. Wobei es hier keine bestimmte Dame für sich zu erobern gilt, denn in den zwölf kurzen Geschichten der deutschen Übersetzung eifert der Kavalier stets unterschiedlichen Schönheiten hinterher.

Auf den ersten Blick mag die Prosa flach und ohne den nötigen fesselnden Tiefgang scheinen, doch der Eindruck täuscht: Ob nun Narihira oder ein anderer Verfasser – die kurzen Geschichten sind durchdrungen von japanischer Symbolik sowie Metaphorik. So spielt beispielsweise der Tau, ein Symbol für die Vergänglichkeit, eine Rolle, ebenso die Kakitsubata (Schwertlilie).

Japanologe Oscar Benl, der die Geschichten übersetzt hat, ergänzt das Buch mit zahlreichen Anmerkungen und einer Einführung, dank der auch Laien rasch einen Zugang zum historischen Entstehungskontext der Liebesgeschichten gewinnen. Eine Auswahl an Bildern des großen japanischen Malers Sotatsu (Tokugawa Dynastie, 1603–1867) bereichert den Band und ermöglicht dem Leser einen weiteren Einblick in die japanische Kultur.
 

 

Fazit:

Oscar Benl macht einige Geschichten der frühesten japanischen Prosaschöpfungen für den deutschen Leser zugänglich – und spannend. Schön zum Schmökern.

 

Anna Gielas

Oscar Benl: Liebesgeschichten des japanischen Kavaliers Narihira

Gebunden - Hanser
Erscheinungsdatum: 1957

ASIN: B0000BJUQE