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Ray Bradbury, Tim Hamilton:
Fahrenheit 451
Tim Hamilton, einer der renommiertesten „Graphic Artists“, trifft auf eine Legende unter den Science-Fiction-Autoren: Ray Bradbury. Bei einem solchen Zusammentreffen der Superlative kann nur Großes entstehen, diesem vermeintlichen Schluss erliegt der Leser schnell.
Der Feuerwehrmann Guy Montag akzeptiert vermeintlich dieses totalitäre System, ohne es in Frage zu stellen. Bis er eines Morgens auf das Nachbarsmädchen Clarisse trifft, die ihm die entscheidende Frage stellt, welche den Wendepunkt der Geschichte darstellt: Ist er glücklich? Mit ihrer Ermordung wird Montag klar, dass er sich nicht länger dem System beugen will. Ihm wird der Wert von Büchern bewusst und möchte durch das Nachdrucken der wertvollen Literatur eine Untergrund-Revolution auslösen. Die Quelle dafür bieten ihm die zahlreichen Büchern, die er während seiner Einsätze gesammelt hat. Hier wird dem Leser aufgezeigt, dass Montag keineswegs nur ein Mitläufer war, sondern dass sich das widersetzende Gedankengut schon lange bei ihm angesiedelt hatte – es hatte ihm bisher nur der Mut gefehlt, es aktiv einzusetzen. Durch die Anzeige seiner Frau wird Guy Montags Intrige jedoch aufgedeckt und er wird gezwungen, seine Bücher anzuzünden. Mit Hilfe des befreundeten Professors Faber gelingt ihm die Flucht in die Wälder vor der Stadt, wo er auf Dissidenten trifft, die Bücher durch Auswendiglernen vor dem Vergessen retten.
Die Zeichnungen Hamilton’s passen sich perfekt der düsteren, beklemmenden Story von Fahrenheit 451 an. Die Reduzierung der Farben auf Blau und Gelb trägt ihr übriges bei. Hamilton erhebt sich mit dieser Farbgebung über natürliche Assoziationen, die Leser mit diesen Farben haben. Beide symbolisieren Positives, Frisches, fast wie einen Neuanfang. Das Blau des Himmels, des Wassers gefriert hier zu Eis. Die Hoffnung des Gelbs, sonst symbolisiert durch die Sonne, verkehrt sich hier in ein verzerrendes Element, wirkt bedrohlich. Mit dieser Ambivalenz spielt Hamilton und kehrt die negative, zerstörende Wirkung der natürlichen Elemente hervor. Damit greift er aber auch die antagonistische Grund-Intention von Fahrenheit 451 auf: Gutes wird in Schlechtes interpretiert, Hilfe in Zerstörung – eben so, wie die Feuerwehr nun Brände legt, anstatt sie zu bekämpfen.
Viele Theorien besagen, dass Fahrenheit 451
ein Protest gegen ein totalitäres Staatssystem bzw. eine Warnung davor
darstellt. Betrachtet man das Werk in seinem geschichtlichen Kontext, scheint
die Theorie gerechtfertigt: Am Ende des so genannten McCarthyisms in den USA –
der Verfolgung und Ausrottung jeglicher Spuren und Anzeichen von Kommunismus –
scheint ein solches Buch ein wichtiges Zeichen setzen zu wollen.
Fazit: Das Zusammenspiel von Graphic Novel und Science Fiction ist nahe liegend, aber keine Neuerfindung. So wurden bereits andere politische und politisierende Werke in dieser Form erzählt oder sogar verfilmt, man erinnere sich nur an den vermutlich berühmtesten Vertreter dieser Gattung, „V wie Vendetta“. Dennoch ist die Umsetzung hier nur bedingt gelungen: Die Bilder sprechen nicht genug für sich, ein Großteil der Story geht verloren. Es ist sicher ein gutes Medium, um unerfahrene Leser an politische Literatur heranzuführen. Die oben genannten Interpretationsansätze dürften für einen Laien kaum selbst auffindbar sein. Es Für Fans des Original-Romans ist diese Graphic Novel allenthalben eine interessante Ergänzung, doch könnte sie niemals ein Ersatz werden.
Elisa Jannasch Tim Hamilton, Ray Bradbury, Fahrenheit 451
Gebunden
- Eichborn
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