MyCulture

 

 

Michael Höfler: Gedichte so schön wie Poesie

 

"Hintergründige Lyrik zu allen Lebenslagen" – so der Untertitel des kleinen Büchleins des Lyrikers Michael Höfler. Wie passend. Der Titel und der Inhalt. Denn beides beschreibt das Leben. Nicht in großen, imposanten Phrasen, nicht in vielen Worten, die gähnende Leere verhüllen. Sondern in kurzen, prägnanten Formulierungen. Pointiert, nicht selten sarkastisch. Oder vielleicht einfach nur realistisch?

Denn Coladosen in der früher malerischen Wüste – das sind längst nicht mehr pessimistische Zukunftsvisionen eines Zynikers, sondern Beschreibungen der Realität. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn es in der allernächsten Umgebung so viele Ansatzpunkte für kritisches Hinterfragen oder Aufzeigen von Defiziten gibt? Wobei es Michael Höfler gar nicht unbedingt darum geht, sich als Gesellschaftskritiker und Moralapostel zu betätigen. Vielmehr gewinnt der Leser den Eindruck, er möchte Denkanstöße geben. Höflers Beschreibungen von Situationen, Szenarien oder Phänomenen wirken nicht gekünstelt, sondern grundehrlich. So, wie jeder ihnen schon einmal in seinem eigenen Leben begegnet ist. Es sind Beobachtungen, doch kratzen sie nicht nur an der Oberfläche, sondern tauchen in die Substanz ein, bringen zum Schmunzeln, zum Grübeln – und unterhalten obendrein.

Seine Verse sind oftmals kurz gehalten, wirken schlicht und nicht zu überladen mit pompöser Sprache. Doch gerade dies macht sie so eindrucksvoll. Denn seine Sprache ist kreativ und birgt faszinierende Neuschöpfungen – Waidmannspech oder Mittelstandsliebe sind nur Beispiele aus diesem Repertoire. Und wenn es ihm im Deutschen dann doch einmal die Sprache verschlägt: kein Problem – wozu gibt es denn Englisch und Französisch? Wobei das Einräumen kleiner Schwächen so charmant wirken kann: "mon français est finit". Na dann eben doch wieder auf deutsch!

 

Der Münchener Michael Höfler hat schon seit seiner frühen Schulzeit gedichtet und getextet. Für Schülerzeitungen, für seine Familie – eben für alles, was sich angeboten hat und nicht schnell genug weggelaufen ist. Gut so. Denn sonst hätte er vielleicht die Lyrik nicht mehr zurückgelassen in sein Leben. Tatsächlich hatte er sich zwischendurch zugunsten eines Studiums der Zahlen und Wissenschaft von ihr abgewendet. Heute verdingt er sich in der psychiatrischen Forschung, schreibt aber als Ausgleich Gedichte. Dieser Hintergrund erklärt auch seine gesund-vernünftige Lebenseinstellung, die ihn von der romantisch-schwärmenden, verklärten Sichtweise anderer Dichter bewahrt.

Elisa Jannasch

 

Michael Höfler: Gedichte so schön wie Poesie

Taschenbuch - Gipfelbuch-Verlag
ISBN: 3937591095