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Kerstin Grether: Zuckerbabys
Ein Buch über junge Frauen, unsicher, einsam und verletzlich. Über Träume und Alpträume. Über das Leben und den Rock’n’Roll. Über das Lieben und Geliebtwerden. Über den Körperkult unserer Gesellschaft und dadurch ausgeübten Druck.
In dem Lied geht es, glaub ich, darum, dass man gar nichts machen kann in der Liebe und es einfach geschehen lassen muss. Eigentlich schön. Braucht man sich auch nicht mehr aufzuregen oder zu beeilen. Ich will daran glauben: Alles ist einfach, yeah! Doch so einfach ist es eben nicht. Johnny verschwindet aus ihrem Leben. You tell me you don’t love me over a cup of coffee. Doch, ein Johnny kann das. Er geht und lässt Sonja zurück. Vor allem in dem Glauben, sie konnte dem Vergleich mit seiner Model-Freundin nicht standhalten. Dann zerbreche ich als Porzellantiger auf dem neuen Parkettboden - sagt Sonja. Willkommen in der Hölle des Rock’n’Roll, Baby! so urteilt Kicky in ihrer nüchternen Art. Denn Kicky weiß, was sie will: sie selbst sein um jeden Preis. Und vor allem als Mädchen besser Gitarre spielen als jeder Junge – denn wer behauptet, das ginge nicht?! Sie will sich nicht von ihrer Umwelt verbiegen lassen und sich keinen Vorschriften unterwerfen müssen, wenn sie dafür ihre eigenen Ideale verrät. Oder etwa doch?
Menschen müssen beinahe immer und auf jeden Fall stark sein. Stark und autark, ausgeflippt und angepasst – und all das in einer ziemlich kruden Mischung, die einem keiner so genau erklären kann. Und genau daran zerbricht Sonja. Sie glaubt der Propaganda über Schönheitsideale und hungert sich dem Ideal entgegen. Sekttrinken macht glücklich – und Sekt hat die wenigsten Kalorien. Doch irgendwann sind selbst die wenigsten Kalorien noch zuviel. Sonja schwankt zwischen der Erkenntnis, dass ihr neues mageres Leben die Hölle ist, und gleichzeitig ihrer Bewusstseinsverzerrung über ihr Äußeres. Aber so hat sie sich ihr Leben als schöne junge Frau nicht vorgestellt. Nicht so müde, so traurig, so am Ende. Um zu leben muss man essen. Das ist nicht fair. – aber doch so notwendig, so das Fazit. Und das Leben ist es wert, denn es ist so lebenswert.
Träum deinen über-übernächsten Traum Oder geht es nur darum, dass man jeden Tag aufsteht und tut und regelt und erledigt? – Nein, darum geht es nicht. Das erkennt auch Sonja und ist bereit, sich wieder in ihr Leben zu stürzen. Langsam, bedächtig und mit viel Angst vor der Zukunft. Aber die hält so viel für sie bereit: die Musik und gute Freunde, vielleicht eine neue große Liebe – nur diesmal bitte nicht wieder ein Johnny. Und mit ihnen wird sie auch weiterhin die Kraft haben, sie selbst zu sein.
Die junge Wahl-Berlinerin Kerstin Grether, selbst Mitglied in einer Band und früher magersüchtig, setzt sich zum Teil sehr schonungslos mit diesem Thema auseinander. Das Hörspiel zeichnet hierbei die unterschiedlichen Perspektiven nach, die sich manchmal widersprechen. Denn genau das ist ein wichtiger Bestandteil der Magersucht: die Selbstwahrnehmung und die von außen. Auch wenn der Weg aus der Sucht als ein recht leichter gezeichnet ist – und damit nicht ganz der Realität entspricht – so macht der Roman Mut und verleiht Kampfgeist – gegen den Dämon „Ich“.
Fazit:
Einfühlsam beschreibt Kerstin Grether den Weg in die Magersucht, den Kampf um Normalität und gleichzeitig gegen sie. Ein Hörbuch, das Angst macht und Mut. Die Musik verleiht dem Hörbuch besonderen Charme, denn sie schafft eine stimmungsvolle Atmosphäre, die vor dem geistigen Auge Bilder und Assoziationen entstehen lassen. Jana Pallaske vermag es, die verschiedenen Stimmungen gekonnt in Szene zu setzen und den Hörer in den Bann des Hörbuches zu ziehen. Und am Ende atmet man erleichtert auf, denn hier steh ich nun, eine Kriegerin, die den Kampf gegen sich selbst gewonnen hat.
Elisa Jannasch Kerstin Grether, Zuckerbabys
Hörbuch
- Eichborn
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