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Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger allein
Zugegeben, Romane französischer Autoren lese ich nicht oft.
Der letzte hieß „Bonjour Tristesse“, geschrieben von Françoise Sagan. Es war traurig und gleichzeitig schön, brutal und ehrlich. Eben so wie die Liebe und das Leben sind. Unberechenbar, manchmal grausam, aber nie ganz hoffnungslos.
Nun beginne ich mich zu fragen, warum ich eigentlich nicht öfter zu Büchern dieser Art greife. Denn sie sind unbeschreiblich ergreifend. Nicht unbedingt schön, aber berührend.
Aller Anfang ist schwer, so auch bei diesem Roman. Denn da fiel der Einstieg in die Sprache doch schwer, alles klingt ein wenig hölzern, wenn „die Paulette“ vorgestellt wird. Doch nach und nach zieht mich der Roman immer mehr in seinen Bann und ich merke, dass gerade diese Sprache, die eben nicht ganz alltäglich ist, einen ganz besonderen Zauber ausübt.
Anna Gavalda erzählt die Geschichte von vier Außenseitern der Gesellschaft, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist zum Einen die ältere, gebrechliche Paulette, die sich nach ihrem alten Leben, ihrer Lebensfreude zurücksehnt. Ihr Enkel Franck, ein Koch und der zweite im Bunde, kümmert sich um sie – oder versucht es zumindest. Denn obwohl er seine Großmutter über alles liebt, liebt er doch Motorräder und die Frauen mindestens genauso, vom Kochen ganz zu schweigen. Er wohnt bei Philibert, dem Sprössling eines alten französischen Adelsgeschlecht, der sehr großen Wert auf höfliche Umgangsformen und gestelzte Sprache legt. Zum großen Leidwesen seines Vaters stottert er allerdings und lebt zumeist in einer eigenen kleinen Welt, in der er sich fast ausschließlich mit Büchern und der französischen Geschichte beschäftigt. Bis er eines Tages die junge Camille kennen lernt, eine abgemagerte und ziemlich mittellose Frau. Auch sie zieht schließlich zu den beiden Männern und entdeckt langsam ihr großes Talent fürs Malen wieder.
Diese vier Personen, deren Leben sich immer weiter ineinander verstricken, versuchen nicht, ihr Glück zu finden. Sie bemühen sich zuallererst einmal ums nackte Überleben. Denn das ist das wichtigste Ziel, was sie von Tag zu Tag bewältigen müssen.
Die Autorin zeichnet das Porträt dieser mit viel Liebe, aber gleichzeitig auch sehr nüchtern und wenig beschönigend. Denn wenn man ganz am Abgrund steht, gibt es davon schließlich auch nicht viel. Doch es liegt an jedem selbst zu entscheiden, ob man sich in diesen Abgrund stürzt oder Schritt für Schritt wieder davon weg bewegt.
Fazit:
Dieser Roman zeigt auf unaufdringliche Weise die schönen Dinge im Leben auf, kleine Überlebensstrategien, die den Alltag schöner gestalten. Es sind die kleinen Dinge im Leben, die zählen.
Elisa Jannasch Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger allein
Gebundene Ausgabe
- Hanser
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