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Celine Curiol: Von Liebe sprechen

 

Noémie passiert es manchmal, dass sie das Gefühl bekommt, sich aufzulösen. Die junge Frau ist Zugansagerin am Pariser Nordbahnhof. Täglich rieselt ihre anonyme, fehlerlos prononcierte Stimme durch die Lautsprecher und weist Reisenden den Weg. Noémie versucht der sinnentleerten Arbeit und ihren Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch während ihrer Jugend durch Eskapaden in ihrem Privatleben zu entkommen: Mal behauptet sie eine Prostituierte zu sein, mal legt sie sich mit Junkies wegen einer Zigarette an. Aber die leichtsinnigen Abenteuer können Noémies Elend nicht betäuben.


Die französische Autorin Céline Curiol lässt ihre Protagonistin selbstzerstörerisch handeln. Für Noémie gibt es nur eine Hoffnung: Die Liebe zu einem Mann, dessen Namen die Autorin dem Leser bis zum Schluss vorenthält. Doch der Mann ist mit einer anderen Frau zusammen. Es gibt Augenblicke, in denen kann Noémie sich vormachen, sie sei ihm nicht egal. In diesen Luxusmomenten bildet sie sich ein, nicht nur seine Aufmerksamkeit, sondern auch sein Herz zu besitzen. Allein die Wunschvorstellungen bringen etwas Bewegung und Dynamik in Noémies Alltag. Obgleich Curiols Figuren intensivsten menschlichen Gefühlen wie Liebe und Schmerz ausgesetzt werden, wirken sie bleiern und mechanisch. Schwer zu sagen, ob dieser Zustand auf literarische Kreativität oder aber auf eine literarische Unzulänglichkeit der Schriftstellerin hindeutet. Die Ungewissheit schmälert die Wirkung des Buches nicht.

 

Fazit:

Ganz klar keine „Alice im Wunderland“-Geschichte. Nicht schlimm, denn Curiol beglückt den Leser mit einem anziehenden „Noémie im Gedankenlabyrinth“-Roman.
 

 

Anna Gielas

Celine Curiol: Von Liebe sprechen

Gebunden - Piper
Erscheinungsdatum: Februar 2007
ISBN: 3492048722