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Larissa Boehning: Lichte Stoffe

 

„Lichte Stoffe“ erzählt eine Familiengeschichte über drei Generationen hinweg: angefangen mit Gudrun, die sich in der Nachkriegszeit von dem schwarzen Soldaten Harold schwängern lässt. Ihre Tochter Evelyn – Evi – gilt aufgrund ihrer braunen Hautfarbe als Schande, einer sehr auffälligen. Deren Tochter Nele wiederum versucht das Familiengeheimnis zu ergründen.

 

Das Bild… Die Frau mit den Hüten… ein echter Degas. Und doch viel mehr für Nele und ihre Mutter. Denn dieses Bild hatte ihr Großvater Harold Ossian McGee ihrer Großmutter geschenkt, einer Berliner Hutmacherin. Die Frau, die er laut dem Bild, bestimmt war zu finden. Die ihn verstieß – und dann nie wieder herbei wünschen konnte. Das Bild, das Nele bis zu ihrem Großvater verfolgte. Das den Grundstein einer neuen Geschichte bildete – „eine Legendenlügengeschichte, die wahr wurde, weil jemand sie glaubte.“

 

„Lichte Stoffe“ wird aus drei Perspektiven erzählt: Da ist die Großmutter – die erste Generation – die ihre Geschichte auf Kassetten aufnimmt, welche dann ihre Enkelin Lena abhört. Die Geschichte von der Nachkriegszeit, ihrer Mutter, der Generalin, von Harold und schließlich der Geburt von Evelyn. Die zweite Perspektive ist die Evelyns, die ebenfalls über die Vergangenheit sinniert und gleichzeitig über ihre Gegenwart. Und ganz klammheimlich schleicht sich mittendrin auch immer wieder Neles Vater Bernhard in diese Betrachtung der Gegenwart ein. Und schließlich ist das Nele selbst, die sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, versucht, sie in der Gegenwart zu bewältigen, um endlich die Sprung in die Zukunft zu schaffen. Alle drei Frauen leben mit einem ständigen Schuldbewusstsein und einem Gefühl des Unterdrücktseins, des Sich-Verstecken-Müssens.

 

Nach Larissa Boehnings Debütroman „Schwalbensommer“ (2001) ist dies nun bereits das zweite Werk der jungen Deutschen (geboren 1971 in Wiesbaden). Ihren Studienhintergrund der Philosophie und Kunstgeschichte ist dem Roman deutlich anzumerken: niemals jedoch besserwisserisch, sondern stets dezent im Hintergrund.

 

Fazit:

Drei Geschichten ineinander verwebt, eine Familiensaga. Und doch nur eine Geschichte, die sich um ein Bild rankt. Fesselnd geschrieben, aber durch die häufigen Wechsel der Erzählperspektive und daraus resultierende Erzählstile nicht immer leicht zu verfolgen.

Ein Roman aus dem Leben herausgeschnitten: ohne wirklichen Anfang oder ein Ende. Und offen bleibt dabei auch die Frage, ob Evelyn, Bernhard oder Nele es tatsächlich schaffen, sich aus ihrer Vergangenheit zu befreien und die Zukunft zu meistern.

Elisa Jannasch

 

Larissa Boehning: Lichte Stoffe

Gebunden – Eichborn

Erscheinungsdatum: 01. August 2007

ISBN: 3821807377