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Sibylle Berg: Und ich dachte, es sei Liebe

 

Gewohnt ist man von Frau Berg ja so einiges, aber dies gab es bislang noch nicht: eine Sammlung von Fremdtexten und zwar ausschließlich von Frauen. Alle drehen sich um das Eine – das Ende. Das Ende einer Beziehung, das so unaufschiebbar ist, dass es seine Formulierung in Briefform fand.

 

Sibylle Berg wird oft als Zynikerin bezeichnet. Ihr Blick auf die Liebe, den Alltag und die Vergänglichkeit sei abgrundtief negativ, ohne Licht und Hoffnung. Doch ist das heutzutage nicht einfach nur purer Realismus? Realismus, der vor unliebsamen Enttäuschungen und Verletzungen schützt. 

Die deutsche Wahl-Zürcherin ist in der deutschen Literaturlandschaft längst kein Geheimtipp mehr. Neben etlichen Romanen („Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“, „Herrengeschichten“) schreibt sie auch Theaterstücke, die mit aufrüttelnder Eindringlichkeit ihre Zuschauer faszinieren, und verfasst zudem noch Beiträge für Zeitungen und Magazine wie die „Zeit“. Ihr Name ist fast schon eine Garantie für schonungslose Ehrlichkeit, für authentische Beobachtungen und Schilderungen, für ein tragisches - oder einfach nur realistisches? – Ende.

Und so sammelte Sibylle Berg Abschiedsbriefe von Frauen. Prominenten Frauen und Frauen, die man eher nicht kennt. Von neuzeitlichen Schriftstellerinnen und historischen Autorinnen. Ein Querschnitt durch die Literaturgeschichte, durch Lebensauffassungen und Konventionen. So findet sich Sylvia Plath neben Simone de Beauvoir, Frida Kahlo neben Virginia Woolf und Sarah Bernhardt. Zum Beispiel. Eingeleitet wird jedes Kapitel und jeder Brief von einem Kommentar Sibylle Bergs, der über Zeitabschnitte, die Liebe und das Leiden, Vertrauen und Mut philosophiert.

 

Fazit:

Überaus lesenswert - vor allem, weil es so herrlich ehrlich ist, wenn Frauen in Abschiedsbriefen ihr persönliches Resümee ziehen. Doch auch die Vielfalt der Sprache und das persönliche Leben dieser Frauen übt eine ungeheure Faszination aus, wenn man die Geschichten einzeln wirken lässt. Sibylle Bergs Kommentare mögen nicht immer Zustimmung ernten, liefern aber ein vermutlich sehr genaues zeitgenössisches Bild von der Liebe ab.

 

Elisa Jannasch

Sibylle Berg: Und ich dachte, es sei Liebe

Gebunden - DVA
Erscheinungsdatum: Februar 2006

ISBN: 3421059209