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Ingeborg Bachmann: Malina
Eindringlich und beklemmend beschreibt Ingeborg Bachmann in ihrem Roman „Malina“ die Geschichte einer Frau, eines langsamen Todes – nein, eines Mordes. Denn „Es war Mord“.
Die Protagonistin scheint zu Beginn des Romans in einer Dreiecksgeschichte zu stecken. Zum einen ist da Malina: der Mann, mit dem sie ihre Wohnung und auch ihr Leben teilt. Über den Gedanken, miteinander verheiratet zu sein, können beide nur lachen. Und dennoch kocht sie Malina jeden Morgen Tee und Frühstücksei. Zum anderen gibt es Ivan – den Mann, dem sie augenblicklich verfallen war, dem sie einfach folgen musste. Ivan, der ihr Schachspielen beizubringen versuchte, mit dem sie Sätze teilte, der ihrem Telefon erst Sinn gibt. Ivan, der nur wenig Zeit hat, niemanden wirklich lieben will, der Nacht für Nacht abrupt verschwindet. Doch das Beziehungsgeflecht geht noch viel weiter: Bücher und Worte sind eine weitere Leidenschaft für sie. Eine verhängnisvolle und doch Leben spendende. Denn Bücher erklären, hinterfragen, durchleuchten. Mit Worten kann auch sie diese Wunder vollbringen. Und doch scheitert sie an der schönsten Geschichte, an dem Buch so voller Glück, dass nichts mehr nach ihm kommen kann. Und noch weiter drinnen in ihr sind die Träume, die sich zunehmend Bahn brechen. Als drohende Gespenster in schlaflosen Nächten um sie herumgeistern, Wachphasen mit Schrecken durchweben – und sie dem Wahnsinn nahe erscheinen lassen. Träume über ihren Vater, den Tyrann ihrer gestohlenen Kindheit. Sie wird zwischen all diesen Männern aufgerieben, ihr Ich immer weiter in Frage gestellt, immer weiter verliert es sich. Sie hat es nicht, ihr Ich, aber lieben kann sie es auch nicht.
Ingeborg Bachmann zeigt ein Porträt einer Frau, die von den Männern in ihrem Leben diktiert wird. Die sie formen wollen nach ihrem Geschmack, die ihrem Leben eine Gestalt geben wollen, die alles neben sich auslöschen möchten. Und dabei nicht merken, dass sie dabei eine ganze Person eliminieren. Zwischen dem Werk „Malina“ und dem Leben Ingeborg Bachmanns lassen sich viele Parallelen ziehen: die Enge im Elternhaus, die Unterdrückung der Mutter, das Überleben des Nationalsozialismus, die Weltoffenheit, die Liebe zur Literatur und Geschriebenem, die Trilogie über die verschiedenen Todesarten, dem Hang zum Feuer… Dennoch darf „Malina“ keinesfalls als Autobiographie bezeichnet werden, wenn auch das Ende der Bachmann bereits von ihr selbst eindrucksvoll prophetisch dargelegt wurde.
Fazit: Zu Beginn langsam und beinahe noch leicht daherkommend wandelt sich dieser Roman schnell zu einer düsteren und fesselnden Lektüre. Beinahe kafkaesk erzählt Bachmann von der Auslöschung einer menschlichen Existenz, vom Mord an einer Seele. „Malina“ fesselt von der ersten Seite an, während die Protagonistin Schicht für Schicht ihre Seele, ihr Ich offenbart. Grausam und doch so befremdlich nah.
Elisa Jannasch Ingeborg Bachmann: Malina
Gebunden
- Suhrkamp; Auflage: 4., Aufl. ISBN: 978-3518392003
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