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Isabel Ashdown: Sunday Girl

 

Die Protagonistin des Romans ist Sarah, die in den Sommerferien 1985 endlich 15 wird. Mit ihren besten Freundinnen Kate und Tina bildet sie ein unzertrennliches Trio, das sich gemeinsam durch die Pubertät kämpft. Mit allem, was dazu gehört: Jungs, Klamotten, Make-up, die erste Liebe und Sex - oder ist da etwa noch mehr?

 

Sarah ist ein typisches amerikanisches Schulmädchen in der Oberstufe. So erscheint es, wenn sie mit ihren Freundinnen zusammen ist. Mit der reichen, stylishen Kate, die sich nimmt, was sie möchte - und sich auch von ihrem Weg nicht abbringen lässt, auch nicht von den Gefühlen ihrer Mitmenschen. Dabei verschließt sie die Augen vor den Geschehnissen ihrer Umgebung - aus Selbstschutz? Kates Ziele sind bescheiden und beschränken sich auf gut aussehende Jungs wie Sarahs Freund, ihr Vorteil und Spaß. Tina ist unsicher, arm und möchte einfach nur dazugehören. Sie kontrolliert das Einzige in ihrem Leben, was sie steuern kann: ihr Essverhalten - ob sich das auf ihre Bulimie oder ihr fast militantes Vegetariertum bezieht. Und doch sehnt sie sich nur nach Liebe und Anerkennung.

Sarah gehört zu dieser Clique und doch hebt sie sich ab. Ihre Mutter ist bereits bei ihrer Geburt gestorben. Ihr Vater, ein zurückgezogener Geisteswissenschaftler, redet nicht über sie. Sie kümmert sich um ihn, um den Haushalt, den Hund, ihren eigenen Geburtstagskuchen, die Schule, ihren Job in der Drogerie. Und dann auch um Dante. Den neuen Jungen in ihrer Straße, der so unglaublich gut aussieht. Dante, der irgendwann mehr möchte als nur kuscheln. Im Gegensatz zu Sarah. Und hier zeigt sie, dass sie zu ihren Prinzipien steht und sich treu bleibt. Die Marianne gegen das Mobbing der Mitschüler verteidigt. Die zu ihren Entscheidungen und ihrem Leben steht, auch wenn sie dadurch ausgeschlossen wird. Die sich in ihrem Schüler-Job mit Großmut durchsetzt - und ganz nebenbei den Sohn der Besitzerin, John, für sich einnimmt.

Doch auch Sarah ist neugierig auf das Leben und kann seine Faszination nicht lange abwehren. Und so trifft sie auf Jason, der sie mehr anzieht, als es Dante je vermochte. Jason, der so viel älter ist als sie - und noch dazu Kates Vater. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf und mit sich im Laufe der nächsten zwei Jahre auch Sarah, die eines Tages spurlos verschwindet. Bis zu dem Klassentreffen 20 Jahre später. Wird sie hier endlich Antworten finden?

 

Mit "Sunday Girl" hat Isabel Ashdown einen zweiten Roman vorgelegt, der ebenso intelligent wie in in ihrem Debüt die Ebenen menschlicher Persönlichkeiten und Perspektiven - bis hin zu deren psychischen Abgründen - aufdeckt. Sie beleuchtet nicht plakativ, sonder kratzt stattdessen immer mehr an der Oberfläche, bis sie alle Schichten schonungslos freilegt. In ihrer leisen und pointiert-treffenden Sprache vermag sie es mit Leichtigkeit, Leser in ihren Bann zu ziehen. Ein Buch für alle Altersklassen - und noch dazu zeitlos in seinem dekadenumspannenden Erzählbogen.

 

Fazit:

Bewegend und fesselnd, bis zur letzten Seite. Der Roman setzt an zu einer typischen Coming-of-Age-Geschichte, nimmt dann aber stetig an Tempo zu - bis zu einem dramatischen Ende, das heute leider nicht mehr bloße Fiktion ist. Ein Buch ohne moralisierendes Fazit, aber mit einem Hoffnungsschimmer und dem Auslöser zum eigenen Nachdenken. Definitiv eine Empfehlung!

Mehr von Isabel Ashdown: Am Ende eines Sommers

 

Elisa Jannasch

Isabel Ashdown: Sunday Girl

Gebunden - Eichborn
Erscheinungsdatum: September 2011
ISBN: 3821861371