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Milena Agus: Die Flügel
meines Vaters
„Die Flügel
meines Vaters“ zeigen den Weg, eine Richtung, geben Hinweise – und verraten doch
nie die Lösung. Doch sie helfen der 14-jährigen Protagonistin des Buches, ihre
Welt zu verstehen, sich in ihr zurecht zu finden und – ja, sie auch ein Stück
weit zu verbessern.
In
einem kleinen Dorf an der Küste Sardiniens leben unterschiedlichste Charaktere,
die eines gemeinsam haben: die Bauherren, die den Dorfbewohnern beachtliche
Summen für ihr Land bieten. Denn der idyllische Landstrich soll in eine
touristische Ferienoase umgewandelt werden. Doch eine weigert sich beharrlich:
Madame, die wunderschöne Hotelbesitzerin mit dem Faible für Frankreich und
etliche Liebhaber. Denn Madame findet die Liebe nicht. Oder die Liebe findet sie
nicht. In ihrer Meinung verdienen sie und die Liebe einfach nicht.
Der Großvater der Erzählerin bewundert Madame für ihre Unverbesserlichkeit und
schließt sich ihr an: Auch er wird nicht verkaufen. Er bezeichnet Madame gern
als den „Menschen der Zukunft“: „den einzigen Typus, der in der Lage ist, die
nahende Katastrophe zu überleben, weil sie das Nebensächliche unterscheiden
kann, von dem was wirklich zählt im Leben.“ Denn Madame hat die Waffe der
Zukunft, die „freundliche Entschlossenheit“, mit der sie alle Hürden überwinden
wird.
Doch auch die Nachbarsfamilie versammelt kuriose Charaktere, allen voran der
jüngste und der älteste Sohn. Der eine, voller Phantasie und Entdeckerdrang,
wird ständig übersehen und belächelt. Der andere wandte sich ab von dem für ihn
vorgesehen gutbürgerlichen Leben und verschrieb sich seiner wahren Leidenschaft,
der Musik. Auch sie machen die Menschen der Zukunft aus, so der Großvater.
Gemeinsam überwinden sie Hindernisse, stehen Katastrophen aus – und leben vor
allem immer weiter. Sie entwickeln sich weiter.
Milena Agus schreibt nicht
einfach eine Geschichte: Sie erzählt und malt in farbenprächtigen Bildern,
geschmückt bis in die kleinsten Details. Sie lässt Landschaften und ein ganzes
Dorf mit allen seinen schrulligen Bewohnern vor dem inneren Auge des Lesers
entstehen. Und das scheinbar so mühelos, so unaufdringlich – und dennoch
hinterlassen ihre Worte tiefe Spuren.
Was
zunächst als leichtfüßige Erzählung über eine etwas verrückte Dame und das Dorf,
in dem sie lebt, daherkommt, entwickelt sich schnell zu einer hintergründigen
Gesellschaftsanalyse. Milena Agus versteht es, unterschiedlichste Charaktere zu
porträtieren. Ihre Sympathien gelten sehr deutlich den wahren Helden ihres
Buches: den Menschen, die es trotz aller Widerstände vermögen, sich selbst treu
zu bleiben und ihrer eigenen Vorstellungen entsprechend zu leben.
Die italienische Autorin Milena Agus verschaffte sich erstmals mit ihrem Werk
„Die Frau im Mond“ auch internationales Gehör und legte nun mit diesem ihren
dritten Buch nach. Sie lebt auf Sardinien und unterrichtet an einer
Fachoberschule Italienisch und Geschichte.
Fazit:
Zart und berührend webt Milena
Agus eine Geschichte, die mitreißt. Die Hoffnung weckt und Verständnis. Die
Zuversicht verbreitet, dass Menschen – egal wie unterschiedlich sie sein mögen –
Akzeptanz finden und ihr Happy Ending finden. Die Mut macht, sich gegen
vermeintliche gesellschaftliche Konventionen zu stellen.
Kurzum: eine Geschichte, die Lust auf das Leben macht.
Elisa Jannasch
Milena Agus, Die Flügel meines Vaters
Gebunden
- Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum: August 2008
ISBN: 3455401309
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